Geschrieben von: Carsten Gramatke 03.03.2010 um 23:00:00
Steve Jobs: Stay hungry - Stay foolish!
Steve Jobs Rede zur Abschlussfeier an der Standford University 2005
Seit ich die Rede von Steve Jobs vor ein paar Jahren gehört habe hat sie mich nicht mehr losgelassen. Es ist eine der berührendsten und größten Reden, die ich kenne, von einem Mann, von dem ich das ehrlich gesagt, überhaupt nicht erwartet hätte. Er spricht über Lebensstrategien und darüber, die Punkte zu verbinden... 3 Geschichten aus seinem Leben oder wie er sagt: "No big deal - just 3 Stories."
Aber sieh es Dir selbst an.
Eine deutsche Übersetzung des Textes findest Du, wenn Du auf weiterlesen klickst.
Steve Jobs Rede auf deutsch:
„Ich fühle mich
geehrt, heute mit Euch hier zu sein, bei Eurer Abschlussfeier an einer
der besten Universitäten der Welt.
Um die Wahrheit zu sagen, ich habe
nie einen Hochschulabschluss gemacht und gerade bin ich näher an einem
Hochschulabschluss als je zuvor.
Heute will ich Euch
drei Geschichten aus meinem Leben erzählen. Das ist alles. Keine große
Sache. Nur drei Geschichten.
Die
erste Geschichte handelt vom Verbinden der Punkte
Ich ging nach sechs
Monaten vom Reed College ab, blieb dort aber für etwa 18 weitere Monate
als Gast, bevor ich wirklich ganz gegangen bin. Aber, warum bin ich
ausgeschieden?
Es begann noch bevor
ich geboren wurde. Meine leibliche Mutter war eine junge, unverheiratete
Universitätsabsolventin und sie entschied sich, mich zur Adoption frei
zu geben. Sie war sehr davon überzeugt, dass ich von Leuten mit einem
Universitätsabschluss adoptiert werden sollte. So wurde alles dafür
arrangiert, dass ich bei der Geburt von einem Anwalt und seiner Frau
adoptiert werden würde. Doch genau als ich auf die Welt kam, entschieden
sie sich in letzter Minute, dass sie lieber ein Mädchen hätten. So
wurden meine Eltern, die auf der Warteliste standen, mitten in der Nacht
angerufen und gefragt: „Wir haben hier eine unerwartete Geburt eines
Jungen. Wollen sie ihn?“ Sie sagten: „Natürlich.“
Meine leibliche Mutter
fand später heraus, dass meine Mutter nie eine Universität absolviert
und mein Vater nie die High School abgeschlossen hatte. Sie weigerte
sich die Adaptionspapiere zu unterschreiben und war erst einige Monate
später damit einverstanden, als meine Eltern versprochen hatten, dass
ich irgendwann zur Universität gehen würde. Das war der Beginn meines
Lebens.
Und so ging ich 17
Jahre später auf die Hochschule. Aber naiv, wie ich war, habe ich ein
College ausgesucht, das fast so teuer war, wie Stanford und alle
Ersparnisse
meiner Arbeiterklasse-Eltern wurden für meine Universitätsgebühren
ausgegeben. Nach sechs Monaten konnte ich den Wert darin nicht mehr
sehen. Ich hatte keine Ahnung, was ich mit meinem Leben anfangen wollte
und keine Ahnung wie die Universität mich darin unterstützen würde
dieses herauszufinden. Und hier stand ich nun und hatte das ganze Geld
ausgegeben, dass meine Eltern in ihren Leben gespart hatten. So
entschied
ich mich die Schule zu verlassen und darauf zu vertrauen, dass alles
gut gehen würde. Das war ziemlich beängstigend damals, aber
zurückblickend
war es eine der besten Entscheidungen, die ich je gemacht habe. Von
der Minute, als ich ausschied, konnte ich aufhören die Pflichtkurse
zu besuchen, die mich nicht interessierten und mit denen zu beginnen,
die mir interessant erschienen.
Es war nicht alles
Sonnenschein. Ich hatte keinen Schlafraum und so schlief ich auf dem
Boden im Zimmer eines Freundes. Ich gab Colaflaschen für fünf Cent
Pfand ab, um mir Essen zu kaufen und ich ging jede Sonntagnacht die
sieben Meilen durch die Stadt für eine gute Mahlzeit in der Woche am
Hare Krishna Temple.
Ich liebte es. Und
vieles von dem, in das ich hineinstolperte, indem ich meiner Neugier
und meiner Intuition folge, zeigte sich später als unbezahlbar.
Lasst mich ein Beispiel geben: Das Reed College bot zu jener Zeit eine
der besten Kalligraphie-Kurse im Land an. Quer durch den Campus war
jedes Poster, jedes Schild auf jeder Schieblade wunderschön von Hand
mit kalligraphischer Schrift versehen. Weil ich ausgeschieden war und
ich keine regulären Kurse besuchen musste, entschied ich mich für
einen Kalligraphie-Kurs, um zu lernen, wie man das macht. Ich lernte
über Serif und San Serif Schriftarten, über den unterschiedlichen
Abstand zwischen den verschiedenen Buchstabenkombinationen; über das,
was großartige Typografie großartig macht. Es war wunderschön,
geschichtlich,
künstlerisch ausgetüftelt, in einer Art und Weise, wie sie Wissenschaft
nicht einfangen kann und ich fand es faszinierend.
Nichts von alle dem
hatte auch nur den Hoffnungsschimmer einer praktischen Anwendung in
meinem Leben. Aber zehn Jahre später, als wir den ersten
Macintosh-Computer
entworfen haben, kam das alles zu mir zurück. Und wir bauten es alles
in den Mac ein. Es war der erste Computer mit wunderschöner Typografie.
Wenn ich niemals diesen Kurs im College besucht hätte, hätte der Mac
niemals verschiedene Schriftarten oder Proportionalschrift gehabt. Und
da Windows einfach den Mac kopierte, ist es wahrscheinlich, dass kein
PC sie bekommen hätte. Wäre ich niemals ausgeschieden, wäre ich niemals
in diesen Kalligraphie-Kurs gegangen und PC’s würden nicht die
wunderschönen
Schriftarten haben, die sie haben. Natürlich war es nicht möglich
in die Zukunft blickend diese Punkte miteinander zu verbinden, während
ich noch an der Universität war. Aber es war sehr sehr klar, als ich
zehn Jahre später zurückblickte.
Nochmal, Du kannst
die Punkte nicht verbinden, wenn Du nach vorne blickst. Du kannst die
Punkte nur verbinden, wenn Du zurück blickst. So musst Du daran glauben,
dass sich die Punkte irgendwie in der Zukunft verbinden werden. Du musst
an etwas glauben – Deinen Bauch, Schicksal, Leben, Karma oder was
auch immer. Denn daran zu glauben, dass am Ende sich die Punkte
verbinden
werden, gibt Dir die Zuversicht Deinem Herzen zu folgen. Auch wenn es
Dich vom wohl ausgetretenen Pfad wegführt – und das macht den ganzen
Unterschied.
Meine
zweite Geschichte ist über Liebe und Verlust
Ich hatte Glück –
Ich fand ziemlich früh im Leben, was ich geliebt habe. Woz und ich
starten Apple in der Garage meiner Eltern als ich 20 war. Wir arbeiteten
hart und in zehn Jahren wuchs Apple von uns beiden in der Garage zu
einem zwei Milliarden Dollar Unternehmen mit mehr als 4000 Mitarbeitern
heran. Wir hatten gerade unser bestes Produkt geschaffen, den Macintosh,
ein Jahr bevor ich 30 wurde. Und, dann wurde ich gefeuert. Wie kann
jemand gefeuert werden, von dem Unternehmen das er gegründet hatte?
Naja, als Apple wuchs, stellten wir jemanden ein, von dem ich glaubte,
er wäre sehr talentiert darin, das Unternehmen mit mir zu führen.
Für etwa das erste Jahr liefen die Dinge gut. Aber als unsere Visionen
für die Zukunft begannen sich zu unterscheiden, kam es zu einer
Auseinandersetzung.
Während wir diese hatten, war die Chefetage auf seiner Seite. Und so
war ich mit 30 draußen. Und sogar ziemlich öffentlich raus geworfen.
Das, was mein einziges Ziel meines erwachsenen Lebens war, war nun
vorbei
und verwüstet.
Für einige Monate
hatte ich keine Ahnung was ich tun sollte. Ich hatte mich gefühlt,
als hätte ich die vorangegangene Generation von Unternehmer in Stich
gelassen, als hätte ich die Stafette fallen lassen gelassen, genau
als diese mir übergeben wurde. Ich hatte mich mit David Packard und
Bob Noyce getroffen und versucht mich zu entschuldigen, dass ich das
alles so schlimm vermasselt hatte. Ich war ein ziemlich öffentlicher
Versager und ich überlegte sogar aus der Gegend weg zu ziehen. Aber
etwas begann langsam in mir zu dämmern - ich liebte immer noch, das
was ich tat. Der Verlauf mit Apple hatte das kein bisschen verändert.
Ich war gefeuert aber meine Leidenschaft war immer noch da. Und so
entschied
ich mich von Neuem zu beginnen.
Ich hatte es damals
nicht gesehen, aber es stellte sich heraus, dass von Apple gefeuert
zu werden, war das Beste, was mir je passieren konnte. Der Druck
erfolgreich
zu sein, war ersetzt worden, von der Leichtigkeit wieder ein Anfänger
zu sein, weniger sicher in allem. Es befreite mich, um eine der
kreativsten
Phasen in meinem Leben zu beginnen. Während der nächsten fünf Jahre
startete ich eine Firma namens NeXT, eine andere Firma namens Pixar
und verliebte mich in eine wundervolle Frau, die meine Frau werden
wollte.
Pixar entwickelte den ersten computeranimierten Film der Welt, Toy
Story,
und ist jetzt das erfolgreichste Animationsstudio der Welt. In einer
bemerkenswerten Wendung der Dinge, kaufte Apple NeXT und ich war zurück
bei Apple und die Technologie, die wir bei NeXT entwickelt haben, ist
nun das Herz von Apples gegenwärtiger Renaissance. Und Laurene und
ich haben eine wundervolle Familie zusammen.
Ich bin mir ziemlich
sicher, nichts von dem wäre jemals geschehen, wenn ich nicht bei Apple
gefeuert worden wäre. Es war bitter schmeckende Medizin, aber ich
schätze
der Patient brauchte sie. Manchmal trifft Dich das Leben mit einem
Ziegelstein
auf den Kopf. Verliere nicht Deinen Glauben. Ich bin überzeugt, dass
das einzige, was mich weitermachen ließ, war, dass ich geliebt habe,
was ich tat. Ihr müsst finden, was ihr liebt. Und das ist genauso wahr
in Bezug auf Eure Arbeit als auch für Eure Liebespartner. Eure Arbeit
wird einen großen Teil Eures Lebens ausfüllen und der einzige Weg,
wirklich erfüllt zu sein, ist das zu tun, wovon Ihr glaubt, dass es
eine großartige Arbeit sei. Und der einzige Weg großartige Arbeit
zu tun, ist zu lieben, was ihr tut. Wenn Ihr es bis jetzt nicht gefunden
habt, sucht weiter und bleibt nicht stehen. Und wie es mit allen
Herzensangelegenheiten
ist, Ihr werdet es wissen, wenn Ihr es gefunden habt. Und wie jede große
Beziehung wird es mit dem Lauf der Jahre besser und besser.
Also bleibt aufmerksam,
bleibt nicht stehen.
Meine
dritte Geschichte handelt vom Tod
Als ich 17 war, las
ich ein Zitat, das ungefähr so klang: „Wenn Du jeden Tag so lebst,
als wäre es Dein letzter, wirst Du höchstwahrscheinlich irgendwann
recht haben.“ Es hatte mich tief beeindruckt und seit damals habe
ich über 33 Jahre lang, jeden Morgen in den Spiegel geschaut und mich
selbst gefragt: „Wenn heute der letzte Tag in meinem Leben wäre,
würde ich dann das tun wollen, was ich mir heute vorgenommen habe?“
Und wann immer die Antwort für zu viele Tage hintereinander „nein“
war, wusste ich, ich muss etwas verändern.
Mich zu daran zu
erinnern,
dass ich bald tot sein werde, ist das wichtigste Werkzeug, das mir
geholfen
hat, die großen Entscheidungen in meinem Leben zu treffen. Weil fast
alles - alle äußeren Erwartungen, der ganze Stolz, die ganze Angst
vor Peinlichkeit und Versagen – diese Dinge fallen einfach weg im
Angesicht des Todes und es bleibt nur das übrig, was wirklich wichtig
ist. Sich zu erinnern, dass man sterben wird, ist der beste Weg, den
ich kenne, um der Falle zu entgehen zu glauben, man hätte etwas zu
verlieren. Du bist vollkommen nackt. Es gibt keinen Grund, nicht Deinen
Herzen zu folgen.
Ungefähr vor einem
Jahr wurde bei mir Krebs diagnostiziert. Ich hatte eine Untersuchung
um 7:30 Uhr am Morgen und es war deutlich ein Tumor auf meiner
Bauchspeicheldrüse
zu sehen. Ich wusste nicht mal was eine Bauchspeicheldrüse ist. Der
Arzt sagte mir, dass diese Art des Krebses fast sicher unheilbar sei
und dass ich damit rechnen solle, dass ich nicht mehr länger als drei
bis sechs Monate zu leben habe. Mein Arzt riet mir nach Hause zu gehen
und meine Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, womit Ärzte meinen,
man soll sich vorbereiten zu sterben. Es bedeutet zu versuchen, Deinen
Kindern all das zu sagen, wovon Du dachtest, Du hättest die nächsten
zehn Jahre Zeit - in nun mehr nur wenigen Monaten. Es bedeutet, dass
alles geklärt sein soll, damit es später so leicht wie möglich für
Deine Familie sein wird. Es bedeutet, Dich zu verabschieden.
Ich lebte mit dieser
Diagnose den ganzen Tag. Später am Abend hatte ich eine Biopsie, wo
sie mir ein Endoskop in den Hals gesteckt haben, durch meinen Magen
in die Eingeweide, wo sie mit einer Nadel einige Zellen von dem Tumor
entnommen haben. Ich war betäubt, aber meine Frau, die dabei war,
erzählte
mir, dass, als sie sich die Zellen unter dem Mikroskop ansahen, die
Ärzte zu weinen begannen, weil es sich herausstellte, dass dies eine
sehr seltene Form von Bauchspeicheldrüsenkrebs war, der mit einer
Operation
heilbar ist. Ich hatte die Operation und zum Glück, ich bin wieder
gesund.
Das war meine nahste
Begegnung mit dem Tod und ich hoffe, das wird so bleiben für die
nächsten
Jahrzehnte. Das durchlebt zu haben, gibt mir die Möglichkeit, Euch
mit mehr Gewissheit sagen zu können, dass der Tod ein nützliches aber
rein geistiges Konzept ist: Niemand will sterben. Selbst Menschen, die
in den Himmel kommen wollen, wollen nicht sterben um dorthin zu
gelangen.
Und dennoch ist der Tod das Schicksal, das wir alle teilen. Niemand
ist jemals entkommen. Und das ist so, wie es sein sollte, denn der Tod
ist sehr wahrscheinlich die beste Erfindung des Lebens. Er ist der
Anwalt
für Veränderung im Leben. Es räumt das Alte weg, um Platz zu machen
für das Neue. Gerade jetzt seid Ihr das Neue, aber eines Tages, nicht
sehr weit von heute, werdet Ihr langsam zum Alten werden und weggeräumt
werden. Tut mir leid, dass ich so drastisch bin - aber es ist einfach
die Wahrheit.
Deine Zeit ist
begrenzt,
also verschwende Sie nicht damit, das Leben anderer zu leben. Lasse
Dich nicht von Dogmen einfangen, welche ein Leben nach den Überlegungen
anderer Leute bedeuten. Lass nicht den Lärm anderer Meinungen Deine
eigene innere Stimme zum verstummen bringen. Und das Allerwichtigste,
habe den Mut, Deinem eigenen Herzen und Deiner Intuition zu folgen.
Irgendwie wissen sie bereits, was Du wirklich werden willst. Alles
andere
ist zweitrangig.
Als ich jung war, gab
es eine wunderbare Publikation, genannt „The Whole Earth Catalog“,
welches eine der Bibeln meiner Generation war. Es war gegründet von
einem Mann namens Stewart Brand nicht weit von hier im Menlo Park und
er belebte es mit seiner poetischen Art. Das war in den späten 60ern,
bevor es PC´s und desktop publishing gab. Es wurde alles mit
Schreibmaschinen,
Scheren und Polaroid-Kameras gemacht. Es war eine Art Google in
Paperbackformat
35 Jahre bevor Google auftauchte: es war idealistisch, voll von
hilfreichen
Tools und großartigen Gedanken.
Stewart und sein Team
brachten mehrere Aktualisierungen vom „The Whole Earh Catalog“ heraus,
bis sie zu einem Ende kamen und sie ihre letzte finale Version
herausbrachten.
Es war Mitte der 70-er und ich war in eurem Alter. Auf der Rückseite
der letzten Version war die Photographie von einer Landstraße früh
am Morgen zu sehen, die Art von Landstraße, an der man als Anhalter
stehen würde, wenn man abenteurerlustig wäre. Darunter standen die
Wörter: „Bleibe hungrig, bleibe verrückt!“ Es war ihre
Abschiedsnachricht
als sie aufhörten. Bleibe hungrig, bleibe verrückt! Und dass wünschte
ich mir immer für mich selbst. Und jetzt, da Ihr nun absolviert und
neu beginnt, wünsche ich Euch dasselbe.