Transderivationale Suche

[Transderivationale Ableitung, Transderivationaler Ableitungsprozess, Transderivational Search]

Als transderivationale Suche bezeichnet man üblicherweise einen unbewussten Suchvorgang, bei dem aus der Oberflächenstruktur eines Satzes mögliche Tiefenstrukturen der eigenen Erfahrung abgeleitet werden. Die transderivationale Suche ist ein bestimmter Umkehrprozess zur Transformationsgrammatik, der grundlage des Miltonmodells ist.

Neben der Bedeutung (A) als Suchprozess nach einer spezifischen Tiefenstruktur, wird der Begriff auch für (B) eine kinästhetische Erinnerungs-Strategie verwendet.


Erläuterung

(A) Suchprozess nach einer spezifischen Tiefenstruktur

Die erste Bedeutung stammt aus der Linguistik und wurde von Bandler und Grinder zur Beschreibung der Wirkungsweise der Sprachmuster des Milton-Modells verwendet. Ein Beispiel ist die Verwendung einer Metapher. Bei einer Person, die eine Geschichte hört, läuft folgender Prozess ab:

  1. Die Person hört die Worte der Geschichte (eine Oberflächenstruktur) und
  2. "versteht" die Bedeutung der Geschichte. Diese Bedeutung enthält keinen direkten Bezug auf die Person selbst.
  3. Sie entwickelt eine parallelle Deutung, die in das Welt-Modell der Person "passt", die für ihr Leben bedeutungsvoll ist (und damit einen inneren Zustand in dieser Person aktiviert).

Mit anderen Worten: Sie hören eine Geschichte. Sie werden in den Sätzen nicht direkt erwähnt, und es wird auch in der Tiefenstruktur (des Sprechers) kein Bezug auf Sie genommen. Trotzdem findet in Ihnen ein Prozess statt, der einen Bezugsindex zur Verfügung stellt und den Worten die gleiche Bedeutung verleiht, als ob sie direkt an Sie gerichtet wären.

Transderivationale Suchprozesse können durch alle Sprachmuster des Milton-Modells ausgelöst werden. Das Modell der transderivationalen Suche erklärt die Wirkungsweise einer "kunstvoll vagen" Sprache: "wie Menschen sprachlichen Äußerungen eine spezifische Bedeutung geben, die in den Worten selbst nicht enthalten ist. ... Bandler und Grinder vertraten nun die These, daß der Empfänger einer solchen Botschaft Erfahrungen aus seinem Gedächtnisspeicher reaktivieren muß. Nur so sei er in der Lage, dem Satz" (der Geschichte) "überhaupt eine Bedeutung zuzuschreiben". Der Zweck therapeutischer Metaphern ist es, den (bewussten oder unbewussten) Prozess der Ableitungssuche für therapeutische Zwecke in Gang zu setzen.

(B) Kinästhetische Erinnerungs-Strategie.

Der Begriff transderivationale Suche wird im NLP auch als kinästhetische Erinnerungs-Strategie definiert. Ausgehend von einem körperlich erlebten inneren Zustand (mit den entsprechenden Gefühlen) wird in der Vergangenheit eine Referenz-Erfahrung gesucht, wo genau dieser Zustand erlebt wurde. Diese Methode findet im NLP oft Anwendung, um Ressourcen zu aktivieren. Kinästhetische Erinnerungs-Strategien werden auch bei der Neuprägung eingesetzt, um das ursprünglichen Prägungs-Erlebnis (oft in der frühen Kindheit) ausfindig zu machen.

Hinweise & Beispiele

Siehe auch

Verwandte Begriffe

Literatur

Weblinks

Quelle: Seminarunterlagen erstellt von Sascha Ballach zur Practitionerausbildung 2004

Artikel von Robert Dilts über Transderivationale Suche (englisch)

Zuletzt geändert am 19. Januar 2009 um 23:54