Milton Modell der Sprache

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[Miltonmodell; Milton-Modell, Milton Modell, Hypnotalk]

Inhaltsverzeichnis

Das Milton-Modell als wichtiger Bestandteil des Modells von NLP und beruht auf dem linguistischen Modelling der Arbeit Milton. H. Ericksons. Richard Bandler und John Grinder beobachteten Milton H. Erickson während dessen Arbeit, beschrieben (modellierten) dessen Art, Sprache zu verwenden und nannten die Teile, die sie in das Modell von NLP übernahmen das Milton-Modell. Das Milton-Modell beschreibt, was Erickson an Sprachmustern zur Verfügung stand und in welchem Kontext er diese Sprachmuster anwendete.

Historisches

Im ursprünglichen Modell der Muster der Hypnotischen Techniken von Milton H.Erickson M.D. (vgl.: Bandler, Richard und Grinder, John) finden sich sowohl die Sprachmuster, als auch die angewendete Modellingtechnik beschrieben. In der Arbeit von Milton H. Erickson ist es insbesondere seine kunstvolle Verwendung von Worten und Sprachmustern, die in das Modell von NLP Eingang gefunden haben. Bandler und Grinder haben die Sprachmuster Milton Ericksons analysiert und die Struktur seiner Trancesprache lehrbar gemacht. Das ursprünglich beschriebene Milton Modell besteht aus mehreren Teilen. Hier ein Überblick über das gesamte Modell:

  • Teil 1
Identifikation der Muster in M. H. Ericksons Arbeit
Die Landkarte ist nicht die Landschaft
Interspersale Hypnotische Techniken
Grundlagen der Tranceinduktion
(Spezielle Anfrage bei A. Huxley über die Natur
und den Charakter verschiedener Bewusstseinszustände)
  • Teil 2
Gewöhnung an die Muster in M. H. Ericksons Arbeit
Pacing
Ablenkung und Utilisierung der dominanten Hemisphäre
Zugang zur nichtdominanten Hemisphäre
  • Teil 3
Konstruktion der Muster in M. H. Ericksons Arbeit
Konstruktion und Nutzung des linguistischen Kausalmodellierungsprozesses
Transderivationale Phänomene
Mehrdeutigkeiten
weniger genutzte Strukturen
abgeleitete Bedeutungen
  • Teil 4
Das 4-Tuple Beschreibungsmodell der Muster M. H. Ericksons
Der R-Operator
Lead System - Der L-Operator
Transderivationale Suche - Generalisierter referentieller Index
Tracking Modelle zur Sequentialisierung und Konstruktion von 4-Tuple Beschreibungsmodellen

Viele Aspekte des originalen Milton Modells sind ausschließlich für Linguisten interessant. Von grundlegender Bedeutung für die menschliche Kommunikation jedoch sind die daraus extrahierten Sprachmuster, die auch weitestgehend Eingang in das Modell von NLP gefunden haben.

Überblick der im NLP gelehrten Sprachmuster des Milton Modells

Übersicht über das Miltonmodell
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Gruppe 1: Löschungen / Tilgungen

Unbestimmte Hauptwörter (Nominalisierungen)
Nominalisierungen sind Hauptwörter, die nicht konkret beschrieben sind. Nominalisierungen können je nach Kontext, Erziehung und Sozialisationshintergrund von unterschiedlichen Menschen unterschiedlich interpretiert werden. Freiheit bedeutet für jeden Menschen etwas anderes. Sie können Nominalisierungen erkennen, wenn Sie das, was das Hauptwort beschreibt, weder anfassen, noch in einem anderen Repräsentationssystem beschreiben können.
Beispiele: Neugier, Lernen, Wissen, Leben, Glück, Erfahrungen, Fähigkeiten, Lösungen
Beispiel einer Trance-Sequenz (Nominalisierungen sind fett kursiv):
„Ich weiß, dass es in Deinem Leben bestimmte Schwierigkeiten gibt,
für die Du gerne eine befriedigende Lösung finden würdest...
und ich bin mir nicht sicher, welche persönlichen Fähigkeiten
Dir am meisten helfen würden, diese Schwierigkeiten zu lösen,
aber ich weiß, dass Dein Unbewusstes besser als Du in der Lage ist,
Deine emotionalen Erfahrungen nach genau diesen Fähigkeiten zu durchsuchen.“
Vage Wörter: unbestimmte Verben, Adjektive und Adverbien
Kein Verb erfasst alle Einzelheiten der genannten Tätigkeit, aber ein Verb kann mehr oder weniger spezifisch sein. Bei unspezifischen Verben muss der Hörer, um den Satz zu verstehen, die Bedeutung selbst einsetzen.
Beispiele: bewegen, lösen, verändern, denken, spüren, wissen, erleben, verstehen, erinnern, wahrnehmen, tun etc.
Beispiel einer Trance-Sequenz (unbestimmte Verben sind fett kursiv):
„Und während Du dies tust, wirst Du wissen, wie leicht sich die Dinge lösen
und Du verstehst auf wundersame Weise die Dinge aus einer neuen Sichtweise,
die Du so vorher noch gar nicht wahrgenommen hast und spürst dabei,
wie angenehm sich Bedeutungen verändern können.“
Unbestimmter Inhaltsbezug
Das Nomen, zu dem der Satz eine Aussage macht, ist nicht spezifiziert.
Beispiele (Nomen sind fett):
Man kann sich entspannen.“
Das kann man leicht lernen.“
Du kannst eine bestimmte Empfindung spüren.“
Aussagen wie diese veranlassen den Hörer, den Satz einfach auf sich selbst zu beziehen, um ihn zu verstehen.
Allgemeine Tilgung
Diese Kategorie beinhaltet Sätze, in denen ein substantivischer Ausdruck völlig fehlt.
Beispiel:
„Ich weiß, dass Du neugierig bist.“
Worauf? Das Objekt fehlt völlig. Der Hörer weiß nicht, auf was er neugierig sein soll. Und wieder kann er diese Leerstellen mit dem ausfüllen, was seinem Erleben nach relevant ist.
Vergleichstilung
Bei Vergleichen muss der Hörer das Vergleichsobjekt selbst einsetzen, um dem Inhalt eine Bedeutung zu geben. Vergleichsworte sind besser, weniger, mehr, leichter, ruhiger.
Beispiel:
„Kannst Du denn wissen, wie viel mehr Deines neuen Lernens Du heute noch erfahren wirst...?“

Gruppe 2: Semantische Fehlgeformtheiten

Verknüpfungen - (Kausalitäten)
Der Kommunikator benutzt Wörter, die eine Verbindung oder Ursache-Wirkung-Beziehung implizieren, und zwar zwischen etwas, was bereits der Fall ist (Beobachtung) und etwas anderem, das der Kommunikator beabsichtigt (Suggestion). Das legt dem Zuhörer nahe, so zu reagieren, als ob das Eine tatsächlich das Andere verursacht. Es gibt drei Arten von Verknüpfungen, die sich im Intensitätsgrad von 1 (schwach) bis 3 (sehr stark) steigern. Dabei wird meistens mit der schwächsten Art begonnen und dann stufenweise gesteigert.
1. Konjunktionen:
a) Verknüpfungen mit „und“
„Du hörst den Klang meiner Stimme, und Du beginnst, dich zu entspannen.“
„Du atmest ein und aus, und Du bist neugierig, was Du wohl lernen wirst.“
b) Verknüpfungen mit „während “, „wenn“, „indem“
„Während Du so da sitzt und lächelst, kannst Du langsam in Trance fallen.“
„Indem Du Dich vor und zurück wiegst, kannst Du Dich mehr und mehr entspannen.“


2a. Ursache/Wirkung:
a. Ursache führt zu Wirkung: Ursache in der Gegenwart - Verknüpfungen mit „bewirken“, „verursachen“, „zwingen“, „erfordern“
„Dein Kopfnicken bewirkt (kann bewirken), dass Du Dich noch mehr entspannst.“
b. Wirkung beruht auf Ursache: Wirkung in der Gegenwart - Verknüpfungen mit „beweisen“, „zeigen“
„Das Du hier bist zeigt, dass Du schon dabei bist Dein Problem zu lösen.“


3. Komplexe Äquivalenz
Verknüpfung mit „bedeutet“
„Das Du lächelst bedeutet dass Du Humor hast!“


4. „je ... desto ...“
Verknüpfung mit „je ... desto ...“
„Je verkrampfter Du jetzt bist, desto entspannter kannst Du nachher sein.“
Gedanken lesen
Man kann seine Glaubwürdigkeit als Trance-Begleiter festigen, indem man sich so verhält, als ob man über das innere Erleben einer anderen Person Bescheid wüsste. Dies setzt voraus, dass man bei allgemein gehaltenen Formulierungen bleibt, um keinen Widerspruch zu erzeugen und den Rapport nicht zu verlieren.
Beispiele:
„Du fragst Dich vielleicht, was ich als Nächstes sagen werde.“
„Du möchtest vielleicht mehr über die Trance erfahren.“
„Du fragst Dich vielleicht, wie tief Du gleich entspannen wirst.“
Typisch für die Trance-Sprache ist die Verwendung von „Weichmachern“, um die sprachlichen Angebote des Kommunikators vage zu halten. Damit wird ggf. Widerstand vom Klienten vermieden, da er die Wahl hat zu folgen oder auch nicht.
Wörter hierfür sind „vielleicht“, „möglicherweise“ und „könnte“.
Beispiel einer Trance-Sequenz:
„Vielleicht ist es gerade jetzt eine gute Gelegenheit etwas Neues zu lernen, um möglicherweise Lösungen zu finden, die überraschend sind und dies könnte der Beginn einer sehr angenehmen Veränderung sein und es ist nicht wichtig, ob diese jetzt oder später stattfindet.“
Übrigens „Nicht-Botschaften“ kann unser Gehirn in der Regel nicht verarbeiten. Beispiel: Denken Sie nicht an einen rosaroten Elefanten!
In der Trance-Arbeit lässt sich dies wunderbar nutzen, um Widerstand abzubauen und den anderen zu führen.
Beispiel einer Trance-Sequenz:
„Und während Du da sitzt, brauchst Du nicht zu entspannen, um Dich wohl zu fühlen und vielleicht ist dies nicht der Moment die Augen zu schließen und Du brauchst nichts Neues zu lernen, während Du immer tiefer in eine angenehme Trance sinkst, um Dich dabei überraschen zu lassen, was Du Neues dabei entdeckst.“


Gruppe 3: Einengung ↔ Verallgemeinerung

a) Anonymisierung
Bei der A. die Personen, die Aussagen über Werturteile machen, anonymisiert. Dieses Vorgehen erlaubt es, Vorannahmen einzubringen, ohne sich dazu rechtfertigen zu müssen.
Beispiele:
„Es tut gut, sich am Ende eines langen Tages zu entspannen.“
„Das ist richtig.“
„Es ist nicht wichtig, ob Sie die Augen gleich oder später schließen.“
b) Universelle Quantifizierungen
Wörter wie alle, jeder, nie, keiner, niemand signalisieren Verallgemeinerungen, die eigentlich unzulässig sind.
Beispiele:
„Jeder Atemzug lässt Sie ein wenig tiefer in die Trance gehen.“
„Und ich frage mich, wie alle Ihre Erfahrungen sich in nützliche Ressourcen für neues Lernen verwandeln.“
c) Modaloperatoren
Modaloperatoren modifizieren den Inhalt eines anderen Verbs. Dieses kann man unterteilen in
MO der Notwendigkeit (müssen, sollen...)
MO der Möglichkeit (dürfen, können...)
Beispiele:
„Ist es nicht erstaunlich, was Du alles lernen kannst.“
„Und Sie fragen sich, welche Hand sich zuerst bewegen soll.“

Gruppe 4: Vorannahmen (Präsuppositionen)

Vorannahmen sind wirkungsvolle Sprachmuster, mit denen man Dinge behaupten kann, die man nicht in Frage gestellt haben möchte. In der Regel bietet man hier mehrere Alternativen an, wobei jedoch die beabsichtigte Reaktion erhalten bleibt.

Verben der Wahrnehmung
Hierzu gehören Verben wie wissen, erkennen, wahrnehmen, bemerken, merken, gewahr werden.
Beispiele:
„Merkst Du, wie Dein Unterbewusstsein schon zu lernen beginnt?“
„Hast Du gewusst, wie oft Du schon in Trance gegangen bist?“
„Vielleicht hast Du gerade bemerkt, wie sich der kleine Finger der rechten Hand bewegt hat.“
Temporale Nebensätze
Diese Nebensätze beginnen mit Wörtern wie: „bevor, nachdem, während, seit, wenn...“
Beispiele:
„Möchtest Du Dich setzen, bevor Du dich einfach entspannst...“
„Kannst Du meine Stimme immer noch hören, während Dein Atmen sich ganz langsam verändert...“
„Manches Mal fragen sich Menschen, wie entspannt er sein kann, nachdem er die Augen geschlossen hat...“
Ordnungszahlen
Begriffe, die auf eine Reihenfolge hinweisen, wie noch ein, zuerst, zweitens, drittens, nächstes, danach.
Beispiele:
„Vielleicht bist Du gespannt, welcher Teil Deines Körpers sich zuerst entspannt.“
„Vielleicht bist Du neugierig darauf, was danach passieren wird.“
Adjektive und Adverben
leicht, einfach, schnell, tief
„Wie einfach kannst du beginnen dich zu entspannen?.“ Hier wird angenommen, dass der Klient sich entspannen kann. Die einzige Frage besteht, wie einfach er es kann.
„Sind sie tief in Trance?.“ Hier wird angenommen, dass der Klient in Trance ist. Die einzige Frage besteht, wie tief er ist.
Oder (Scheinalternative)
Mit dem Wort „oder“ ist die Vorannahme verbunden, dass eine von mehreren Alternativen verwirklicht wird.
Beispiele:
„Möchtest Du Dir die Zähne vor oder nach dem Baden putzen?“
„Ich weiß nicht, ob sich Deine linke oder rechte Hand zuerst mit unbewussten Bewegungen heben wird.“
„Gehst Du in eine leichte oder in eine tiefe Trance?“

Gruppe 5: Indirekte Auslöser von Reaktionen

Die folgenden Sprachmuster sind hilfreich, wenn man eine bestimmte Reaktion indirekt, also ohne sie offen zu verlangen, hervorrufen will.

Versteckte Fragen
Hier sind Fragen in eine komplexere Satzstruktur eingebunden.
Beispiel:
„Es würde mich interessieren, was Sie sich von der Hypnose versprechen.“
Die eingebaute Frage „Was versprechen Sie sich von der Hypnose?“ ist mit dem Interesse des Sprechers verknüpft. Der Angesprochene wird sich deshalb hier in der Regel nicht weigern diese eingebaute Frage zu beantworten.
Versteckte Befehle
Hier sind Anweisungen in ein längeres Satzgefüge eingebaut.
Beispiele:
„Und während Du in diesem Sessel sitzt und meine Stimme hörst, entspanne Dich.“
„Ich frage mich, wann Du bemerkst, dass Du gelassen bist.“
Analoges Markieren
Man hebt bestimmte Teile des Satzes als Anweisung durch bestimmte nonverbale Verhaltensmuster hervor (z.B. Kopf heben, Stimmrichtung verändern, Stimmlage heben / senken, Räuspern, Kopfbewegungen etc.).
Beispiel:
„Du kannst dies leicht (nonverbales Muster z. B. Stimme heben) verstehen.“
Negationen
Negative Formulierungen sind für das Gehirn viel schwerer zu verarbeiten und brauchen ca anderthalb mal soviel Zeit wie positive Formuliertes. Man benutzt negative Formulierungen, um die linke Gehirnhälfte zu verwirren und Suggestionen direkt in die rechte Gehirnhälft zu richten.
Beispiel:
Du kannst nicht verhindern, in Trance zu gehen.
Konversationspostulate
Konversationspostulate sind Ja/Nein-Fragen, die statt einer Ja/Nein-Antwort normalerweise eine bestimmte Reaktion oder Aussage bewirken.
Beispiele:
„Kannst Du die Tür schließen?“
„Weißt Du wie spät es ist?“
„Kannst Du etwas zu trinken holen?“
Ambiguität

Gruppe 6: Metaphorische Sprachmuster

Homomorphe Metapher
Isomorphe Metapher
Zitate & Stellvertreter
Zitate kann man nutzen, um Aussagen oder Anweisungen zu machen, ohne für den Inhalt verantwortlich zu sein oder um Aussagen durch heranziehen von Autoritäten zu verstärken.
Beispiel:
Jemand wollte einmal von Erickson wissen, was Hypnose eigentlich sei. Er sagte: "Dieses wirst Du nur in einer Trance herausfinden.“
Stellvertreter macht Aussagen im als ob Rahmem, ohne für den Inhalt verantwortlich zu sein.
Beispiel:
"Jemand der Dich nicht kennt, würde denken...!"
"Was würdest Du an meiner Stelle Dir raten?"
"Was würdest Du an Deiner Stelle Dir raten?"
"Hätte eine andere Person dies Problem, würde ich sagen...!"
"Ich würde ja nie behaupten, dass ...!"
"Erickson würde jetzt sagen:..."


Punktuelle Grenzüberschreitungen
Dieses sind Zuweisungen von Eigenschaften an jemanden oder etwas, der oder die diese Eigenschaften eigentlich nicht besitzen kann. In der Trance wird diese Metapher vom Unterbewusstsein verstanden (TDS-Prozess).
Beispiele:
Das mutige Samenkorn.
Der traurige Felsen.
Der fröhliche Apfel.
Die lustige Zitrone.

Siehe auch

Metamodell der Sprache
Sprache


Literatur

  • Bandler, Richard und Grinder, John: Patterns of the Hypnotic Techniques of Milton H. Erickson, M.D. Part 1+2 Meta Publications Cupertino, California 1975 (ISBN 1555520537)
  • Klaus Grochowiak: Das NLP - Practitioner Handbuch, ISBN 3873872250

Weblinks