Philosophie des Als-Ob

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Hans Vaihinger schrieb im Jahre 1911 die „Philosophie des Als-Ob", ein in der heutigen Philosophie fast vergessenes Werk. Vaihinger selbst sah es als sein Jugendwerk, entstanden aus unzähligen Entwürfen, die er auf Grund gesundheitlicher Störungen nie überarbeitete.

Nach seinem philosophischen Denkansatz benutzt der „Fiktionalismus“ logische Denkfunktionen, um Probleme mittels einer fiktiven Tätigkeit effizienter zu lösen.

Vaihinger glaubte, dass logische Denkprozesse Organismen dazu dienen, das Leben zu erhalten und zu bereichern.

Vaihingers Hauptfrage lautet: „Wie kommt es, dass, trotzdem wir im Denken mit einer verfälschten Wirklichkeit rechnen, doch das praktische Resultat sich als richtig erweist (* 2, S. 289)? Er selbst gibt dazu die Antwort: „Gerade weil das Denken eine vom Sein verschiedene, heterogene Tätigkeit ist, müssen seine Formen andere sein, als die des Seins, um mit diesem schließlich wieder übereinstimmen zu können(* 2, S. 290).

Genau wie NLP das Meta Modell für Sprache benutzt, um Sprache zu klären und sie wieder mit Erfahrung zu verbinden (*3, S.149), nutzt Vaihinger Fiktionen, um das Denken wieder mit dem Sein zusammenzubringen.

Bedeutung für das NLP

Hans Vaihinger war der erste Philosoph, der Dinge annahm, als ob sie wahr wären.

Nach einem Beitrag von Damir Smiljanic im Marburger Forum (*1) zur Neuerscheinung der Philosophie des Als Ob (*2) stellt Vaihinger in seinem Werk die These auf, dass wir erst mittels falscher Annahmen der Wirklichkeit näherkommen.

„Die eigentliche Kunst und Aufgabe des Denkens ist, das Sein auf ganz anderen Wegen zu erreichen, als diejenigen sind, welche das Sein selbst einschlägt (*2, S.11)“. Dies gelingt mit Hilfe von Fiktionen, die Vaihinger als widerspruchsvolle psychische Gebilde bestimmt, die zwar nicht der Wirklichkeit entsprechen, uns aber der Wirklichkeit näher bringen.

Laut Vaihinger liegt der Hauptunterschied zwischen Hypothese und Fiktion in der Art der Bewährung: Hypothesen müssen bewahrheitet, Fiktionen nur gerechtfertigt werden.

Für ihn sind abstrakte Begriffe wie Gott und Seele genauso wie die Vorstellung von Atomen und Molekülen nützliche Fiktionen und existieren für unser Denken „als ob“ sie wahr wären. Alles Erkennen läuft auf ein Vergleichen hinaus: Unbekanntes wird auf Bekanntes zurückgeführt (*4).

Auf dieser Philosophie begründeten Bandler und Grinder viele Formate und setzten den Als-Ob-Frame in vielen NLP - Techniken ein.


Der Als- Ob- Rahmen

Der Als-Ob-Rahmen findet als Simulationstechnik in nahezu allen NLP Bereichen Anwendung.

Ideal ist er für den Future Pace: Dabei nehmen wir die gewünschte Veränderung als wahr und real an. In dieser Annahme, dass die Fiktion „stattgefunden“ hat und wir sie aktiv herbeigeführt haben. So blicken wir aus der Zukunft zurück und können so „sehen“: welche Schritte zum Erreichen des Zieles geführt haben. Dieses Vorgehen bietet sich in der Anwendung des NLP- Rahmenmodells beim Ökocheck an.

Auch in der Timeline- Arbeit kann man die Fähigkeit zu simulieren gut einsetzen: man leitet den Klienten an, sich Ereignisse in der Vergangenheit oder Zukunft vorzustellen, als ob sie tatsächlich stattgefunden hätten. Dadurch ändert sich etwas in Wahrnehmung und Erleben der Timeline.

In der Ziele-Arbeit kann die Fähigkeit, sich Dinge vorzustellen, als ob sie erreicht seien, eine große Befreiung und Richtungsbestimmung bedeuten. Stelle ich mir vor, wie ich erfolgreich an meinem Ziel angekommen bin, kann ich mir „anschauen“, welche Ressourcen mir auf dem Weg dahin geholfen haben. Dann sehe ich, ob das angestrebte Ziel das Richtige ist. Oder ob ich Kursänderungen vornehmen sollte.

Man kann den Als-Ob-Rahmen gut benutzen, um Glaubenssätzen zu lockern, bzw. aus Denksackgassen herauszukommen. Wenn jemand etwas nicht kann oder darf, kann man fragen: „Was würde passieren, wenn Du es tätest?“ Oder bei „ich muß´…“ hilft ein „Stell Dir vor, du machst das…. Was würde passieren?“

In der Annahme, dass das eigene Verhalten wahr wird kann man sich fiktiv mit den Folgen seines Handelns beschäftigen. Man bekommt durch das gedankliche Durchspielen als Ergebnis mehr Wahlmöglichkeiten für das tatsächliche Handeln.

Bei vielen Problemen bietet sich der Als–Ob-Rahmen als Lösungsstrategie an: Man stellt sich vor, dass ein Problem real eingetreten ist. Darauf aufbauend kann man alle potentiellen Möglichkeiten und Konsequenzen durchspielen und kommt so zu kreativen eigenen Lösungsideen. Oder man stellt sich rückblickend vor, dass man die Lösung schon erreicht hat. Aus dem erleichterten Zustand kann man ressourcevoller nach Lösungswegen suchen.

Eine wunderbare Möglichkeit bieten wir uns selbst in Träumen an: wir erfinden reale und irreale Situationen in unserem Leben und machen im Traum die unglaublichsten Dinge. Im Als-Ob Rahmen gesprochen zeigen wir uns Wünsche oder Vorstellungen, die sogar möglich sind, wenn wir uns entscheiden, den Traum in der Wirklichkeit umzusetzen.

Quellenangaben:

  • 1: Marburger Forum, Beiträge zur Situation der Gegenwart; Jg.9 ( 2008), Heft 1
  • 2: Hans Vaihinger: „Die Philosophie des Als-Ob“, Neuherausgabe von Esther von Krosigk, Edition Classic, Saarbrücken, VDM Verlag, 2007, XL + 804 S., ISBN: 978-3-8364-0812-7
  • 3: Joseph O´Connor. John Seymour: „Neurolinguistisches Programmieren: gelungene Kommunikation und persönliche Entfaltung“, VAK Verlag, 19. Auflage, 2009, ISBN 978-3-924077-66-2
  • 4:Wikipedia, die freie Enzyklopädie