1-2-3-Meta

Aus NLPedia
Version vom 8. April 2019, 08:10 Uhr von Carolin (Diskussion | Beiträge) (Position 1 (Ich):)

(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

[Wahrnehmungspositionswechsel, Konflikt, Bodenanker ]

1-2-3-Meta (auch Wahrnehmungspositionswechsel genannt) ist ein Format zur Bearbeitung einer schwierigen Situation oder eines zwischenmenschlichen Konflikts. Ziel ist, durch abwechselndes Einfühlen in die eigene Position (1) , die Position des Konfliktpartners (2), und die Position eines neutralen Beobachters (3) eine andere Sichtweise auf den Konflikt zu ermöglichen. Diese veränderte Repräsentation der Situation und des Konfliktpartners führt in Folge zu einem veränderten Erleben und damit auch zu verändertem Verhalten in der Situation. Die Meta-Position erlaubt am Ende ein Reflektieren des durchlaufenen Prozesses.

Die 4 Wahrnehmungspositionen bei 1-2-3-Meta

Position 1 (Ich):

In Position 1 ist man völlig mit der eigenen Person in diesem Konflikt assoziiert. Man sieht, hört und fühlt, so wie man diese Situation typischerweise erlebt. Auf assoziierte Art und Weise hört und sieht man, wie der Konfliktpartner (Position 2) agiert.

Position 2 (Du):

Position 2 ist die Position des Konfliktpartners. Hier schlüpft man in die Haut der anderen Person, und sieht, hört und fühlt wie die andere Person. Auf diese Weise erlebt man, was die Person auf Position 1 („ich“) sagt und tut.

Position 3 (Beobachter):

Position 3 ist die Position eines wohlwollenden, neutralen Beobachters, der sich nicht einmischt. Vielmehr beobachtet er objektiv, was sich zwischen Positionen 1 und 2 abspielt, und kommentiert dies. Er ist vergleichbar mit einem unbeteiligten Forscher (oder Alien), der die Situation beobachtet und erforscht. Eventuell kann der Beobachter eine Idee für das weitere Verhandeln zwischen 1 und 2 äußern – jedoch ohne dabei Partei zu ergreifen.

Position Meta (Betrachtung aus höherer Warte):

Die Meta-Position wird in der Regel erst zum Schluss eingenommen. Sie bietet Gelegenheit von außen auf den durchlaufenen Prozess zu blicken und ihn zu reflektieren: Was habe ich in den Positionen 1, 2, 3 gefühlt? Was habe ich wahrgenommen? Wie leicht ist es mir gefallen, die verschiedenen Positionen assoziiert einzunehmen? Die Meta-Position kann durch ihre Distanz zum gesamten Prozess weitere Einsichten offenbaren.

Durchführung von 1-2-3-Meta (Wahrnehmungspositionswechsel)

I. Auslegen von Bodenankern für alle 4 Positionen

Die Positionen 1,2 und 3 werden als Bodenanker in Form eines gleichseitigen Dreiecks ausgelegt. Position Meta wird ebenfalls als Bodenanker in einiger Entfernung außerhalb des Dreiecks gelegt.

II. Wechselseitiges Einnehmen der verschiedenen Wahrnehmungspositionen

  • Schritt 1: Nimm Position 1 ein und assoziiere Dich ganz mit Deiner eigenen Rolle im Konflikt – was Du gedacht, gesagt, gesehen, gehört und gefühlt hast. Äußere Deine Einstellung verbal.
  • Schritt 2: Nimm Position 2 ein. Schlüpfe dabei voll in die Rolle Deiner Konfliktpartners, assoziiere Dich. Spüre, wie es ist er oder sie zu sein. Sieh, was er sieht; höre, was er hört; fühle, was er fühlt. Dann nimm wahr, was auf Position 1 gerade geäußert wurde und reagiere darauf – ebenfalls verbal.
  • Schritt 3: Nimm Position 3 ein, assoziiere Dich mit einem Forscher und kommentiere als neutraler Forscher, was Du beobachtet hast.
  • Schritt 4: Nimm wieder Position 1 ein, assoziiere Dich mit Deiner eigenen Rolle im Konflikt und reagiere auf das, was zuvor auf Position 2 geäußert wurde.
  • Schritt 5 und weitere: Wechsle weiter zwischen den Positionen 1, 2 und 3 ab, bis der Konflikt entschärft, eine Einigung zwischen Positionen 1 und 2, oder zumindest eine veränderte positivere Sichtweise für Dich (Position 1) entstanden ist.
    Hinweis: Nach der 1. oder 2. Runde kann es sein, dass sich eine eigene Dynamik entwickelt, und Du eine Zeit lang nur zwischen den Positionen 1 und 2 hin und her wechselst. Position 3 ist immer dann hilfreich, wenn der Prozess ins Stocken gerät oder zu eskalieren droht.
  • Zum Abschluss: Nimm die Meta-Position ein und reflektiere den Prozess. Wie leicht konntest Du Dich mit den Positionen 1, 2 und 3 assoziieren? Hat sich das während des Prozesses verändert? Wie hast Du Dich gefühlt in den verschiedenen Positionen? Wo gab es entscheidende Wendepunkte im Prozess? Ziehe Resümee.

Hinweis

Manchmal kann es sinnvoll sein, von außerhalb der Positionen Resourcen zu Position 1 zu schicken, und erst dann wieder Position 1 (Ich) einzunehmen.

Varianten

Man findet Abwandlungen, bei der alle 4 Positionen (also auch Meta) gleich in der ersten Runde eingenommen werden.