Entropie

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"Entropie" ist der wissenschaftliche Ausdruck für "das Ausmaß von Zufälligkeit oder Unordnung in Prozessen und Systemen". Entropie ist im Prinzip das Gegenteil von "Information". Es wird charakterisiert durch die Tendenz zu einer Zufälligkeit von Ereignissen innerhalb eines Systems: Eine Situation in welcher es keine bedeutsamen Unterschiede oder Muster gibt.

In der Physik und den physikalischen Wissenschaften bildet das Konzept von Entropie das Kernstück des zweiten Gesetzes der Thermodynamiken, welches aussagt, dass es eine natürliche Tendenz gibt, dass sich Energie gleichmäßig in einem System verteilt. Zum Beispiel bewegen sich viele natürliche Prozesse eher in die Richtung von Gleichgewicht und Homogenität, als in die Richtung von geordneten Zuständen.

Beispielsweise setzt sich ein in Kaffee aufgelöster Zuckerwürfel normalerweise nicht wieder als Würfel zusammen und Parfummoleküle in der Luft sammeln sich normalerweise nicht wieder in einer Parfumflasche. Auf ähnliche Weise drehen sich chemische Reaktionen, wie die Kraftstoffverbrennung nicht einfach um. Laut Physikern ist es diese Tendenz zu Unordnung, die in natürliche Prozesse eine zeitliche Abfolge bringt - den "Zeitpfeil". Aus dieser Perspektive, wird das Ende des Universums kommen als Folge der unaufhaltbar gänzlichen und gleichmäßigen Verteilung der gesamten Energie im Universum. Entropie ist ein wichtiges Konzept im noch neuen Forschungsgebiet von Chaos und Komplexität.

Der Gedanke der Entropie spielt auch eine wichtige Rolle in der modernen Disziplin der Informationstheorie. Shannon (1948) verwendete den Begriff "Entropie" um die Tendenz von Kommunikationen zu bezeichnen, durch Lärm und Störgeräusche verwirrt zu werden. Wenn beispielsweise gedruckte Dokumente wiederholt kopiert werden, löst sich die Information auf dem Dokument kontinuierlich auf bis sie irgendwann unlesbar ist. Das Kinderspiel stille Post ist ein anderes Beispiel. In dem Spiel erlebt die geflüsterte Botschaft, die über eine Reihe von Leuten weitergegeben wird, eine ähnliche Entstellung.

So eine Degeneration geschieht auch in der Telekommunikation und Musikaufnahmen. Entropie hängt auch mit psychologischen Prozessen zusammen. Zum Beispiel ist es meist schwieriger für Leute akkurat zu erinnern, was in gewissen Situationen passiert ist, je mehr Zeit vergangen ist. Diese Neigung der Entropie läuft parallel zu Bandler und Grindlers Behauptung (1975) dass die Transformation von Gedanken aus tiefliegenden Strukturen (fundamentale Konzepte und Erfahrungen) zu oberflächlichen Strukturen (verbale Beschreibungen und andere Repräsentationen) notwendigerweise Subjekt des Prozesses von Zerstörung, Verzerrung und Verallgemeinerung ist.

Aus der Perspektive des NLP kann der natürlichen Tendenz zu Entropie in menschlichen Systemen auf eine Reihe von Arten entgegengewirkt werden: Redundanz, Coding, Feedback, Attraktoren und Metabotschaften. "Redundanz" beinhaltet die Wiederholung oder vielfache Kodierung der selben Information auf verschiedenen Repräsentations-Kanälen. Sich Informationen, die man verbal beschreibt, bildlich vorzustellen oder sie durchzuspielen, ist ein Beispiel für Redundanz.

Coding steht auch in Verbindung zu den Repräsentationstypen und Repräsentationskanälen, die verwendet werden um Informationen zu kommunizieren. Es ist auch eine Funktion der Art auf die Informationen ge"chunke"d werden (es wird schon seit langem gesagt, dass "ein Bild tausend Worte wert ist"). Das Ausmaß und die Art der Verzerrung, oder "Entropie", welcher eine gewisse Kommunikation ausgesetzt ist, ist oft eine Funktion der Art des Codings, die verwendet wird, um die Information zu repräsentieren. Gewisse Arten des Coding werden eher Subjekt der Entropie als andere. Zum Beispiel mag aufgenommene Musik digital kodiert sein als eine Reihe von Nullen und Einsen (wie auf einer modernen CD), die sogar bei hohen "Lärm"leveln erkennbar sind, das heißt, in der Anwesenheit von zusätzlichen, ungewollten Signalen. Auf diese Weise kodiert können vielfache Kopien gemacht werden, mit viel weniger Verlust der ursprünglichen Musik.

Feedback reduziert auch Zerstörung und Verzerrung von Informationen. Zum Beispiel, wenn jedes Kind beim Spiel "Stille Post" in der Lage wäre, die Botschaft zu checken, die es erhalten hat, bevor sie weitergegeben wird, würde die Verzerrung der Botschaft umfassend reduziert.

Attraktoren sind der Referenzpunkt um den sich ein System "selbstorganisiert". Oft dienen einfache Hinweise oder Markierungen, wie Symbole, Logos, Slogans etc. als Schwerpunkt um Informationen zu sortieren. Im NLP ist der Prozess des "Ankerns" eine Art von Attraktor. Der Anker ist keine Verschlüsselung oder Umformung des Gedankens oder der Erfahrung die bestellt oder abgerufen wird, sondern vielmehr ein Fokussierungs- oder Fixierpunkt um den herum Gedanken assoziiert und organisiert werden. Zum Beispiel verwenden viele NLP-Techniken Berührungsanker, als einen Weg um Leuten zu helfen, wiederholt auf vergangene Erfahrungen und Erinnerungen zuzugreifen und sie sich zurückzurufen mit einem Minimum an Informationsverlust.

Metabotschaften sind Botschaften über andere Botschaften. Sie werden typischerweise durch den nonverbalen Teil einer Kommunikation ausgedrückt. So ist die Funktion einer Metabotschaft den Empfänger der Botschaft zu informieren, was für eine "Art" Botschaft überliefert werden soll oder überliefert wurde und wie die Botschaft am besten "empfangen" werden soll. Analog dazu muss ein Computer, wenn er mit einem anderen Computer kommuniziert, gewisse "Kontrollzeichen" mit dem eigentlichen Text mitschicken, den er überträgt. Die Kontrollzeichen sind Metabotschaften, die den anderen Computer informieren welche Art von Daten gesendet werden und wo es in seinem Gedächtnis positioniert werden soll. Der Zweck davon ist es Verwirrung und Entropie zu reduzieren, die aus einer Fehlverarbeitung der Botschaft resultiert. Auf ähnliche Art dienen Stimmlage, Gesichtsausdrücke, Gesten etc. als Metabotschaften oder Markierungen um menschliche Kommunikationen zu klären.

Das Metamodell, die Kommunikationsmatrix, Ankern und das T.O.T.E Model sind alle mit NLP zusammenhängende Prozesse und Prozeduren, die angewendet werden können um Entropie in menschlichen Interaktionen zu reduzieren.

"Entropie und Selbst-Organisation"

Komplette Entropie in einem System wäre sehr rar, wenn nicht sogar unmöglich. Tatsächlich scheinen sich der Begriff Entropie und das zweite Gesetz der Thermodynamik der Entwicklung des Bereichs der Selbstorganisation zu widersprechen. Paradoxerweise entwickelte sich die Selbstorganisationstheorie aus den Studien der Entropie. Wissenschaftler, die das Chaos erforschen (die Abwesenheit von Ordnung), bemerkten, dass, wenn genug komplex interagierende Elemente zusammengebracht wurden, weniger Chaos kreiert wurde, als vielmehr sich als Resultat aus der Interaktion "spontan" eine Ordnung bildete. In unserem Nervensystem werden etwa selbstorganisierende Prozesse für ein Resultat massiver assoziativer Verbindungen zwischen Nervenzellen gehalten. Das scheinbare Paradox zwischen Entropie und Selbstorganisation kann geklärt werden durch das Anerkennen, dass es vielfache Ebenen der Entropie und Organisation gibt. Entropie auf einer Ebene könnte kreiert sein auf einer anderen oder zu einer anderen führen. Eine zufällige Antwort auf einer Ebene wird ein nicht-zufälliges Muster einer Antwort auf einer anderen Ebene kreieren. Wie D. Layzer in seinem Artikel "Der Pfeil der Zeit" aufzeigt, wird mikroskopische Entropie an einem Punkt in Raum und Zeit die mikroskopische Entropie an einem anderen Punk in Raum und Zeit beeinflussen (das heißt, einen Unterschied machen). So dass, obwohl ein geworfener Penny zufällig entweder Kopf oder Zahl zeigend fallen wird, wir, wenn wir diesen Prozess von einem anderen Level aus in Betracht ziehen, wissen, dass diese Reihe von zufälligen Ereignissen das Muster annehmen wird, dass der Penny zu jeweils 50 Prozent der Zeit entweder auf Kopf oder Zahl landen wird. Die gleiche Art der Beziehung wirkt auch in biologischen Systemen. Wie Gregory Bateson aufschlussreich aufzeigt:

"Einem ästhetischen Auge erscheint die Form eines Krebses dessen eine Schere größer ist als die andere nicht einfach asymmetrisch. Sie stellt zunächst eine Regel von Symmetrie auf und verweigert dann subtil diese Regel indem sie eine komplexere Kombination von Regeln aufstellt." (Steps to an Ecology of Mind, p. 410)

Aus der Perspektive des NLP sind Verhaltensweisen, die chaotisch und sinnlos zu sein scheinen, auf Ebene von Intention und Glaube überhaupt nicht zufällig. So ist zusätzlich zu den Prozessen der Redundanz, Coding, Feedback, Attraktoren und Metabotschaften, das NLP-Modell der Neurologischen Ebenen ein wichtiges Werkzeug, um zu helfen Verzerrung und Entropie in menschlischen Interaktionen zu reduzieren. Reframing, Level Alignment und Metaposition sind alles NLP-Prozesse, die die Vorstellung von verschiedenen Ebenen des Wandels verwenden, um Leuten zu helfen, Muster einer höheren Ebene zu entdecken und erkennen.


Quellen: http://nlpuniversitypress.com/html/E21.html