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Gedankenvirus

[Thought Virus, Gedankenviren, Mem]

Ein Gedankenvirus ist ein Glaubenssatz, der sich ausschließlich auf andere Glaubenssätze stützt und sich damit der direkten Überprüfbarkeit durch die sinnliche Erfahrung entzieht.
Menschen nehmen Wirklichkeit nicht direkt wahr, sondern sie erstellen Abbilder (Repräsentationen) durch ihre Sinne! Um sich zu orientieren, organisieren sie bestimmte Abbilder zu Erfahrungen aus denen sie Regeln ableiten. Diese Regeln sind verallgemeinerte Modelle der Welt, Glaubenssätze darüber, wie die Dinge funktionieren und was man darf/kann/sollte/ist. Werden diese Regeln und Annahmen über die Welt, zu Gruppen zusammengefasst, entstehen daraus Glaubenssysteme, komplexe Abbilder der Wirklichkeit (Landkarte). Diese Glaubenssätze basieren zunächst noch auf sinnlicher Erfahrung ("Es ist nicht gut, auf heiße Herdplatten zu fassen!"), später kommen dann Glaubenssätze hinzu, die sich ausschließlich aus anderen Glaubenssätzen herleiten ("Die Welt ist eine Scheibe!", "Die Ungläubigen müssen vernichtet werden", ...). Glaubenssätze sind Verallgemeinerungen und basieren nicht auf Logik, sie sind sogar außerordentlich tolerant gegenüber dem Versuch, sie logisch zu widerlegen, und jedes Gegenbeispiel wird zur Ausnahme, die sie problemlos vertragen ("Geld verdirbt den Charakter - naja mein Freund Kurt, der Millionär, ist eine Ausnahme aber ...") - und sie sind per Definition wahr!

Glaubenssätze, die von den Werten, Erfahrungen, Erwartungen und den inneren Zustand aus denen sie entstanden sind, abgetrennt wurden, werden Gedankenviren. Sie sind nun von allem Überprüfbaren abgeschirmt und bekommen dadurch eine Art Eigenleben. Sie sind nicht mehr wiederlegbar und können auf Menschen mit ähnlichen Hintergrund (Glaubenssätzen) übertragen werden.

Das Problem mit Gedankenvieren ist nun, dass:

  1. Menschen dazu neigen, diese von der Erfahrung abgekoppelte Wahrheit mit der Wirklichkeit zu verwechseln
  2. sie sehr viel einfacher als normale Glaubenssätze übertragen werden können
  3. sie sehr viel widerstandsfähiger gegenüber Anfechtungen sind, als normale Glaubenssätze.

Die besondere Gefahr bei Gedankenviren besteht darin, dass sie Epidemien auslösen können. Gedankenviren müssen nicht selber erfahren werden, sondern sie werden verbal übertragen. Dadurch kann die Infektion sehr schnell erfolgen und auf viele Menschen übergreifen. Außerdem ist das Gedankenvirus gegenüber Logik immun und damit sehr stabil. Drastische Beispiele von Gedankenvirenepidemien gab es ausreichend in der Geschichte: Hexenverbrennungen, Kreuzzüge, Judenverfolgung, (Welt-)Kriege, ...

Um an Gedankenviren heranzukommen, ist es notwendig herauszufinden, auf welchen Glaubenssätzen das Gedankenvirus basiert und von welchen Elementen (Werten, Erfahrungen, Erwartungen und innerer Zustand) dieser Glaubenssatz (über die anderen Glaubenssätze) getrennt ist und ihn entweder wieder damit zu verbinden oder die unterstützenden Glaubenssätze, die ja auf Werten, Erfahrungen, Erwartungen oder inneren Zuständen basieren, zu bearbeiten. Für den Umgang mit Glaubenssätzen haben wir im NLP z.B. Sleight of Mouth Pattern.

Zur Aufdeckung von Memen (und Gedankenviren) und der Eigenimmunisierung empfiehlt V. Birkenbihl die Beantwortung der folgenden 4 Fragen:

  1. Halte ich meine Meinung für gut, richtig und wahr?
  2. Ist ist die eigene Meinung tugendhaft?
  3. Ist das Kernthema ein Tabu?
  4. Bin ich intolerant gegenüber der Meinung anderer?



Gedankenviren und Meme haben starke Ähnlichkeit. Das Mem bezeichnet in der Theorie der Memetik eine Idee oder einen Gedanken. Es ist eine (sprachlich kodierte) Informationseinheit, die von Lebewesen erschaffen werden, sich vermehren, verändern und weitergegeben werden können. Es wurde erstmalig 1976 durch den Evolutionsbiologen Richard Dawkins in seinem Buch „The Selfish Gene“ (deutsch: Das egoistische Gen) in den geistes- und kulturwissenschaftlichen Diskurs eingeführt.

Solch ein Mem entwickelt sich zuerst im Fühl- und Denkvermögen eines Individuums und wird durch Kommunikation weiterverbreitet. Durch individuelles Nachdenken und durch Austausch mit anderen Memen entwickeln sie sich weiter. Beispiel: Ein Gerücht, das von einer Person erdacht und mitgeteilt wird, verbreitet sich je nach Brisanzgrad weiter. Es tauchen weitere Varianten des Gerüchtes auf.

Das Konzept "Mem" ist eine Analogiebildung zur darwinschen Theorie der natürlichen Selektion für den Bereich der Kultur. Grob gesagt bedeutet ein Mem für die kulturelle Entwicklung das Gleiche, wie ein Gen für die biologische Entwicklung und ist als ein hypothetisches Analogon zum Gen zu betrachten.

Ein Mem ist eine Gedankeneinheit, die sich vervielfältigen (reproduzieren) lässt und gleichzeitig als Vervielfältiger (Replikator) wirkt. Das heisst, dass das Mem auch aktuell reproduziert wird, also mindestens einmal zu einem gegebenen Zeitpunkt vorhanden ist. Bei der Reproduktion übernimmt ein Anderer einen bestimmten Gedanken, der entsprechend dessen persönlichen Erfahrungs- und Erkenntnisrahmens angepasst wird. Die sprachliche Gestaltung ist dabei nicht wesentlich. Deshalb wäre es besser, von einer Vorstellungseinheit zu sprechen. Es kann sich beispielsweise auch um eine Tonfolge handeln (dadadadaaa - Beginn der 5. Sinfonie Beethovens). Nach Dawkins ist die Replizierbarkeit entscheidend.

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Mem



Andere Wortbedeutung:

In seinem Buch Programming and Metaprogramming the Human Biocomputer vertritt John Lilly die Theorie, dass es im Gehirn versteckte Gedankenviren gäbe, die normalerweise subbewusst unter Kontrolle gehalten werden. Im Alltag findet dabei eine Umdeutung durch geeignete Glaubenssätze dahingehend statt, dass solche Gedankenviren folgenlos bleiben. Unter dem Einfluss bewusstseinserweiternder Drogen (LSD, Mescalin, Peote) kann es zur Freisetzung von Gedankenviren kommen, meist mit fatalen Wirkungen. Im LSD-Jargon bezeichnet man eine durch Gedankenviren ausgelöste Strategie als Horrortrip.

Literatur

  • Lilly, John C.: Programming and Metaprogramming in the Human Biocomputer: Theory and Experiments. (ISBN 051752757X)
  • Leary, Timothy; Metzner, Ralph; Alpert, Richard: The Psychedelic Experience. University Books New York, 1964

Weblinks

Wikipedia: Lilly, John C.
Wikipedia: Leary, Timothy

Artikel von Robert Dilts zu Gedankenvirus (englisch)

Zuletzt geändert am 3. Juli 2008 um 09:08