Hypnose: Unterschied zwischen den Versionen

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Version vom 20. Juni 2007, 21:50 Uhr

Als Hypnose (von Hypnos, dem griechischen Gott des Schlafes) wird entweder das Verfahren zum Erreichen einer hypnotischen Trance bezeichnet, die durch vorübergehend geänderte Aufmerksamkeit und meist tiefe Entspannung gekennzeichnet ist. Oder der Begriff bezeichnet den Zustand der hypnotischen Trance, der durch eine hypnotische Induktion erreicht wird. Die Begriffe "Hypnose" und "Trance" werden häufig synonym verwendet, wobei "Trance" nur für den Zustand steht, "Hypnose" hingegen den Zustand sowie das Verfahren bezeichnen kann. Der Begriff "Hypnose" stammt vom griechischen Wort hypnos, da man in der Anfangszeit der Forschung davon ausging, dass es sich um einen schlafähnlichen Zustand handelt.


Geschichte der Hypnose

Hypnose wurde wahrscheinlich schon in der Frühzeit des Menschen verwendet. Bereits im Gilgamesch-Epos aus Mesopotamien und in der Mahabharata aus Indien sind deutliche Hinweise auf den Gebrauch von hypnotischen Techniken enthalten. Mit einem Alter von ca. 3000 Jahren liegt uns in der Mahabharata der älteste, schriftlich erhaltene Bericht über die Anwendung von Hypose vor. Ebenso bezeugen dies die Schriften der Ägypter (vgl. Kossak, S. 15ff).

Franz Anton Mesmer

Für die moderne Wissenschaft begann das Zeitalter der Hypnose um 1770 mit Franz Anton Mesmer. Am Anfang seiner Forschungen arbeitete er mit Magneten, die er Patienten auflegte. Er nannte den entstehenden Tranceeffekt 'Magnetismus animalis', und schrieb den entstehenden Zustand der Kraft der Magneten zu. F.A. Mesmer und seine Technik waren an der Wende des 19. zum 20. Jahrhunderts in den Salons der grossen Städte sehr populär. In den Werken der Dichter E.T.A. Hoffmann (E.T.A. Hoffmann: Der Magnetiseur, Eine Familienbegebenheit) und Jean Paul (Johann Paul Friedrich Richter: Der Komet, Kap. IX, Erste Unterabteilung) finden sich sehr genaue Beschreibungen des Ablaufs einer solchen magnetischen Sitzung. Als „Mesmerisieren“; hat sich der Ausdruck im altertümlichen Deutsch erhalten und existiert im zeitgenössischen Englisch noch immer: to mesmerise adj..

Im 19. Jahrhundert war Frankreich mit den Schulen in Nancy (Ambroise-Auguste Liébeault, Hippolyte Bernheim) und Paris (Jean-Martin Charcot) führend in der Erforschung der Hypnose. Sigmund Freud wurde 1885 bei Jean-Martin Charcot in Paris auf die Experimente von Mesmer aufmerksam und versuchte sich selbst in dieser Methode; seine Erfahrungen wurde zum Ausgangspunkt seiner Studien über Hysterie. Später distanzierte er sich von der klassischen Form der Hypnose und entwickelte stattdessen seine Technik der freien Assoziation; Schriften zeigen jedoch, dass Freud immer wieder mit Hypnose gearbeitet hat.

Wesentlich weiterentwickelt wurde die Hypnose im 20. Jahrhundert im deutschen Sprachgebiet zunächst durch Albert Moll, Oskar Vogt, und dessen Schüler Johannes Heinrich Schultz. Schultz ist der Entwickler des autogenen Trainings. Vorlage:Fact

Im amerikanischen Sprachgebiet wurde die Hypnose wesentlich weiter entwickelt durch Milton H. Erickson (indirekte Hypnose), Kroger und Dave Elman (autoritäre Hypnose). Milton H. Erickson begründete eine neue Form der Hypnotherapie, die heute als moderne Form der Hypnose gilt und weltweit angewendet wird. In England gilt John Hartland als einer der bekanntesten Hypnotherapeuten. Sein Buch "Dictionary of Medical and Dental Hypnosis" zählt auch heute noch zum offiziellen Ausbildungslehrwerk für britische Hypnoseärzte.

Hypnose im Modell von NLP

In der Frühzeit der Entwicklung des Modells von NLP formulierten Richard Bandler und John Grinder die Hypothese, daß die Sprachmuster bedeutender und erfolgreicher (!!) Therapeuten Gemeinsamkeiten aufweisen könnten, die deren therapeutischen Erfolg begründen. Der bekannteste Hypnotherapeut der 60er und 70er Jahre war M.Erickson. Bandler und Grinder haben seine Arbeit untersucht. Die Ergebnisse der linguistischen Analyse seiner Arbeit sind mit dem Milton Modell in das Modell von NLP eingeflossen. Dabei beschreibt das Milton Modell lediglich den Gebrauch der Sprache während des Prozesses, nicht jedoch den Prozess der Hypnose selbst.

Ernest und Sheila Rossi haben die Arbeit M.Ericksons analysiert und den Prozess seiner Arbeit schematisch dargestellt. Nach dieser Aufstellung folgt ein erfolgreicher Tranceprozess fünf Schritten. Hier ein schematischer Überblick: (E.u.S. Rossi, M.H.Erickson: Hypnose. dt.Ü.: Verlag J. Pfeiffer, München, 1986 2.Aufl. S. 263)

Die Mikrodynamik des Tranceprozesses
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Den klinischen und therapeutischen Nutzen seiner Arbeit demonstrierte M.H. Erickson in vielen erfolgreichen Therapiesitzungen, oft gegen den erheblichen Widerstand und die Vorurteile der etablierten Ärzte und Psychologen.

Folgende Grundannahmen und Glaubenssätze leiteten die Arbeit von Milton Erickson:

a. Jede Person ist ein exzellentes Trancemedium.
b. Jede Person hat alle Ressourcen, die sie braucht.
c. Jede Person kann sich ohne Leid verändern.
d. Jeder Mensch lebt in seiner eigenen subjektiven Realität.


Eine weitere nützliche Annahme ist, dass es keine Hypnose gibt, sondern nur Selbsthypnose. Der Hypnotiseur unterstützt lediglich den eigenen hypnotischen Prozess des Klienten. Gerade in der Hypnose ist deshalb der gute Rapport zum unbewussten Anteil des Klienten eine Grundvoraussetzung für die Arbeit. Um Rapport herzustellen, findet oft die Technik des Pacing und Leading Verwendung. Neben der Anwendung des Milton Modells folgt während der Trancesitzung die Gestaltung des Angebotes an den Klienten in verschiedenen Kategorien:

  • Wortwahl im Repräsentationssystem (visuell, auditiv, kinästhetisch)
  • Körperhaltung / Gestik
  • Atemrhythmus
  • Sprachmelodie, Sprachrhythmus
  • Dinge sagen, die unleugbar wahr sind (Trueismen)

Wichtig für eine erfolgreiche Trancetherapie ist das Grundverständnis, sich auf die Welt des anderen einzulassen. Dadurch wird die subbewusste Leitfunktion im hypnotischen Prozess möglich. Sie unterstützt den Klienten dabei, die gesteckten Ziele zu erreichen. Hypnose arbeitet mit den unbewussten Ressourcen des Klienten. Wenn die Aktivierung der subbewussten Ressourcen erreicht wird, ist Hypnose ein effektives Werkzeug, mit dem Veränderung und neues Lernen auf angenehme und leichte Art möglich werden.

Literatur

  • Baudouin, Charles: Suggestion und Autosuggestion Sibyllen Verlag, Dresden (1924)
  • LeCron, Leslie M.: Fremdhypnose - Selbsthypnose: Technik und Anwendung im täglichen Leben. Ariston Verlag, München (1973), ISBN 3-7205-1414-5
  • Kossak, H.-C.: Lehrbuch Hypnose. Psychologie-Verlags-Union, Weinheim, ISBN 3-621-27146-5
  • Meinhold W.J.: Das große Handbuch der Hypnose. Ariston Verlag, München (8. Auflage 2006), ISBN-13:978-3-7205-2741-5
  • Mesmer, Friedrich Anton: Mesmerismus Nicolai Verlag, Berlin (1812)
  • Mulzer, Chris: Hypnose Verlag kikdan media, Berlin 1. Aufl. (2006) Aufzeichnung des Seminars auf DVD, ISBN 3939821047
  • Revenstorf D., Peter B.: Hypnose in Psychotherapie, Psychosomatik und Medizin. Springer-Verlag, Berlin (2001), ISBN 3-540-67480-2
  • Rossi, Ernest L.: Gesammelte Schriften von Milton H. Erickson Carl-Auer-Verlag, Heidelberg (1995), ISBN 3-927809-33-0
  • Schmidt G.: Einführung in die hypnosystemische Therapie und Beratung. Carl-Auer-Verlag, Heidelberg (2005), ISBN 3-896-70470-2
  • Tietjens, E.: Die Desuggestion Verlag Otto Elsner, Berlin (1928)
  • Rossi, Ernest L.: Gesammelte Schriften von Milton H. Erickson Carl-Auer-Verlag, Heidelberg (1995), ISBN 3-927809-33-0
  • Moll, Albert: Der Hypnotismus Fischers Medicinische Buchhandlung, Berlin (1890)

Weblinks

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