Milton Modell der Sprache

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Version vom 17. Oktober 2006, 12:35 Uhr von Hungerland (Diskussion | Beiträge) (Ralf Hungerland Milton Modell der Sprache)

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Das Milton – Modell der Sprache

In der Hypnose – Therapie nach Milton Erickson ist es insbesondere die kunstvolle Verwendung von Worten, die Trance / Hypnose einleiten, verstärken und nutzen können. Unser Gehirn hat in den ersten 8 –12 Lebensmonaten einen Prozeß erlernt, der Transderivationale Suche (TDS) genannt wird. Sobald wir ein Wort hören, suchen wir nach dem Sinn. Zum Beispiel löst das Wort „Vertrauen“ einen solchen Suchprozeß aus, der bei jedem von uns mit einem unterschiedlichen Ergebnis (= abhängig von der individuellen Landkarte) endet. Unter Trance lösen „Worte“ diesen TDS Prozeß aus, der sehr nutzbringend angewandt werden kann. Bandler und Grinder haben die Sprachmuster von Milton Erickson analysiert und eine Struktur der Trance – Sprache entdeckt.

Das Milton – Modell läßt sich in folgende Kategorien unterteilen:

A Umkehrung des Meta – Modells


1. Informationen weglassen / tilgen

    1.1. Nominalisierungen
    Nominalisierungen sind Wörter, die inkonkret sind. Man kann das, was sie 
    benennen, nicht anfassen, spüren oder hören („man kann es nicht auf eine 
    Schubkarre packen.“  Beispiele: Neugier, Lernen, Wissen, Leben, Glück, 
    Erfahrungen, Fähigkeiten,  Lösungen etc.  „Emily hat ein umfangreiches Wissen." 
    Was weiß Sie? , Wie weiß sie es?
    Beispiel einer Trance-Sequenz (Nominalisierungen sind fett kursiv):

„Ich weiß, daß es in Deinem Leben bestimmte Schwierigkeiten gibt, für die Du gerne eine befriedigende Lösung finden würdest und ich bin mir nicht sicher, welche persönlichen Fähigkeiten Dir am meisten helfen würden, diese Schwierigkeiten zu lösen, aber ich weiß, daß Dein Unbewußtes besser als Du in der Lage ist, Deine emotionalen Erfahrungen nach genau diesen Fähigkeiten zu durchsuchen.“

1.2.Unbestimmte Verben Kein Verb erfaßt alle Einzelheiten der genannten Tätigkeit, aber ein Verb kann mehr oder weniger spezifisch sein. Bei unspezifischen Verben muß der Hörer, um den Satz zu verstehen, die Bedeutung selbst einsetzen. Beispiele: bewegen, lösen, verändern, denken, spüren, wissen, erleben, verstehen, erinnern, wahrnehmen, tun etc. Beispiel einer Trance-Sequenz (unbestimmte Verben sind fett kursiv): „Und während Du dies tust, wirst Du wissen wie leicht sich die Dinge lösen und Du verstehst auf wundersame Weise die Dinge aus einer neuen Sichtweise, die Du so vorher noch gar nicht wahrgenommen hast und spürst dabei wie angenehm sich Bedeutungen verändern können.“

1.3.Unbestimmter Inhaltsbezug Das bedeutet, daß das Nomen, zu dem der Satz eine Aussage macht, nicht spezifiziert ist. Beispiele (Nomen sind fett kursiv): „Man kann sich entspannen.“ „Das kann man leicht lernen.“ „Du kannst eine bestimmte Empfindung spüren.“ Aussagen wie diese veranlassen den Hörer den Satz einfach auf sich Selbst zu beziehen, um ihn zu verstehen.

1.4.Allgemeine Tilgung Diese Kategorie beinhaltet Sätze, in denen ein substantivischer Ausdruck völlig fehlt. Zum Beispiel: „Ich weiß, daß Du neugierig bist.“ Worauf? Das Objekt fehlt völlig. Der Hörer weiß nicht auf was er neugierig sein soll. Und wieder kann er diese Leerstellen mit dem ausfüllen, was seinem Erleben nach relevant ist.

     1.5.Vergleiche
     Bei Vergleichen muß der Hörer das Vergleichsobjekt selbst einsetzen, um dem  
     Inhalt eine Bedeutung zu geben. Vergleichsworte sind z.B. : besser, weniger, 
     mehr, leichter, ruhiger etc.  Beispiel: „Und Du fragst Dich, wieviel mehr vom 
     Neuem Lernen Du heute erfahren wirst...“


2. Semantische Fehlgeformtheit

    2.1. Kausalitäten oder Verknüpfungen schaffen

Man benutzt Wörter, die eine Ursache- Wirkung- Beziehung implizieren, und zwar zwischen etwas, was bereits der Fall ist und etwas anderem, was der Kommunikator beabsichtigt. Das legt dem Zuhörer nahe, so zu reagieren, als ob das Eine tatsächlich das Andere verursacht. Es gibt drei Arten von Verknüpfungen, die sich im Intensitätsgrad von a (schwach), b (mittel) und c (stark) steigern. Dabei beginnt man mit der schwächsten Art und steigert stufenweise.

a) Verknüpfungen mit „und“: „ Du hörst den Klang meiner Stimme, und Du beginnst, dich zu entspannen.“ „Du atmest ein und aus, und Du bist neugierig, was Du wohl lernen wirst.“

b) Verknüpfungen mit „während “, „wenn“, „indem“: „Während Du so dasitzt und lächelst, kannst Du langsam in Trance fallen.“ „Indem Du Dich vor und zurück wiegst, kannst Du Dich mehr und mehr entspannen.“

c) Verknüpfungen mit „bewirken“, „verursachen“, „zwingen“, „erfordern“: „Dein Kopfnicken wird bewirken, daß Du Dich noch mehr entspannst.“


2.2.Gedankenlesen Man kann seine Glaubwürdigkeit als Trance-Begleiter festigen, indem man sich so verhält, als ob man über das innere Erleben einer anderen Person Bescheid wüßte. Dies setzt voraus, daß man bei allgemein gehaltenen Formulierungen bleibt, um keinen Widerspruch zu erzeugen und den Rapport nicht zu verlieren. „Du fragst Dich vielleicht, was ich als Nächtes sagen werde.“ „Du möchtest vielleicht mehr über die Trance erfahren.“ „Du fragst Dich vielleicht, wie tief Du gleich entspannen wirst.“ Typisch für die Trance-Sprache ist die Verwendung von „Weichmachern“, um die sprachlichen Angebote des Kommunikators vage zu halten. Damit wird ggf. Widerstand vom Klienten vermieden, da er die Wahl hat zu folgen oder auch nicht. Wörter hierfür sind: „Vielleicht“ „möglicherweise“ „könnte“ Beispiel einer Trance-Sequenz:„Vielleicht ist es gerade jetzt eine gute Gelegenheit etwas Neues zu lernen um möglicherweise Lösungen zu finden, die überraschend sind und dies könnte der Beginn einer sehr angenehmen Veränderung sein und es ist nicht wichtig, ob diese jetzt oder später stattfindet.“

Übrigens „Nicht-Botschaften“ kann unser Gehirn nicht verarbeiten. Beispiel: Denken Sie nicht an einen rosaroten Elefanten ! In der Trance-Arbeit läßt sich dies wunderbar nutzen, um Widerstand abzubauen und den anderen zu führen: Beispiel einer Trance-Sequenz :„Und während Du da sitzt brauchst Du nicht zu entspannen, um Dich wohlzufühlen und vielleicht ist dies nicht der Moment die Augen zu schließen und Du brauchst nichts Neues zu lernen, während Du immer tiefer in eine angenehme Trance sinkst um Dich dabei überraschen zu lassen, was Du Neues dabei entdeckst.“


3. Anonyme Performanzen

Dies sind Werturteile, in denen die Person, welche die Aussage macht anonym bleibt. Dieses Vorgehen erlaubt bestimmte Vorannahmen einzubringen. Beispiele: „Es tut gut, sich am Ende eines langen Tages zu entspannen.“ – „Das ist richtig.“ – „Es ist nicht wichtig, ob Sie die Augen gleich oder später schließen.“


4. Einengung / Verallgemeinerung

a) Quantifizierungen Wörter wie alle, jeder, nie, keiner, niemand signalisieren Verallgemeinerungen, die eigentlich unzulässig sind. Beispiele: „Jeder Atemzug läßt Sie ein wenig tiefer in die Trance gehen.“ „ Und ich frage mich, wie alle Ihre Erfahrungen sich in nützliche Ressourcen für neues Lernen verwandeln.“

b) Modaloperatoren Modaloperatoren modifizieren den Inhalt eines anderen Verbes. Dieses kann man unterteilen in • Notwendigkeit (müssen, sollen) • Möglichkeit (dürfen, können) Beispiele: „Ist es nicht erstaunlich, was Du alles lernen kannst.“ „Und Sie fragen sich, welche Hand sich zuerst bewegen soll.“


B Andere hypnotische Sprachmuster


1. Präsuppositionen / Vorannahmen

Vorannahmen sind wirkungsvolle Sprachmuster, mit denen man Dinge behaupten kann, die man nicht in Frage gestellt haben möchte. In der Regel bietet man hier mehrere Alternativen an, wobei jedoch die beabsichtigte Reaktion erhalten bleibt.

1.1.Verben der Wahrnehmung Hierzu gehören Verben wie wissen, erkennen, wahrnehmen, bemerken, merken, gewahr werden etc. Beispiele: „Merkst Du, wie Dein Unterbewußtsein schon zu lernen beginnt?“ „Hast Du gewußt, wie oft Du schon in Trance gegangen bist?“ „Vielleicht hast Du gerade bemerkt, wie sich der kleine Finger der rechten Hand bewegt hat.“

1.2.Temporale Nebensätze Diese Nebensätze beginnen mit Wörtern wie bevor, nachdem, während, seit, wenn etc. Beispiel: „Möchtest Du Dich setzen, bevor Du in Trance gehst.“ „Du hörst meine Stimme, während sich Dein Atemrythmus verändert hat.“ „Und Du fragst Dich, wie Du entspannen wirst, nachdem Du die Augen geschlossen hast.“

1.3.Ordnungszahlen Begriffe, die auf eine Reihenfolge hinweisen, wie noch ein, zuerst, zweitens, drittens, nächstes, danach. Beispiele: „Vielleicht bist Du gespannt, welcher Teil Deines Körpers sich zuerst entspannt.“ „Vielleicht bist Du neugierig darauf, was danach passieren wird.“

1.4.Oder (Pseudowahl) Mit dem Wort „oder“ ist die Vorannahme verbunden, daß eine von mehreren Alternativen verwirklicht wird. Beispiel: „Möchtest Du Dir die Zähne vor oder nach dem Baden putzen?“ „Ich weiß nicht, ob sich Deine linke oder rechte Hand zuerst mit unbewußten Bewegungen heben wird.“ „Gehst Du in eine leichte oder in eine tiefe Trance?“

2. indirekte Auslösung von Reaktionen

Die folgenden Sprachmuster sind hilfreich, wenn man nur eine bestimmte Reaktion indirekt, also ohne sie offen zu verlangen, hervorrufen will.

     2.1.versteckte Fragen
     Hier sind Fragen in eine komplexere Satzstruktur eingebunden. Beispiel: „Es 
     würde mich interessieren, was Sie sich von der Hypnose versprechen.“ Die 
     eingebaute Frage „Was versprechen Sie sich von der Hypnose?“ ist mit dem 
     Interesse des Sprechers verknüpft. Der Angesprochene wird sich deshalb hier 
     in der Regel nicht weigern diese eingebaute Frage zu beantworten.
     
     2.2.versteckte Befehle
     Hier sind Anweisungen in ein längeres Satzgefüge eingebaut. Beispiele: „Und 
     während Du in diesem Sessel sitzt und meine Stimme hörst, entspanne Dich.“ 
    „Ich frage mich, wann du bemerkst, daß Du gelassen bist.“
     2.3.analoges Markieren (hervorheben)
     Dies bedeutet, daß man bestimmte Teile des Satzes als Anweisung durch 
     bestimmte nonverbale Verhaltensmuster hervorhebt (z.B. Kopf heben, 
     Stimmrichtung verändern, Stimmlage heben/senken, Räuspern,  
     Kopfbewegungen etc.) Beispiel: „Du kannst dies leicht (nonverbales Muster 
     z.B. Stimme heben) verstehen.“
     2.4.Konversationspostulate
     Konversationspostulate sind Ja/Nein- Fragen, die statt einer Ja/Nein- Antwort 
     normalerweise eine bestimmte Reaktion oder Aussage bewirken. Beispiel: 
     „Kannst Du die Tür schließen?“ „Weißt Du, wie spät es ist?“ „Kannst Du etwas zu 
     trinken holen?“


3. Metaphorische Sprachmuster

Metaphern sind sehr wirksame Möglichkeiten etwas in verpackter Form zu erzählen. Folgende zwei Muster sind Anwendungsbeispiele des Milton- Modells.

a) Zitate Zitate kann man nutzen, um Aussagen oder Anweisungen zu machen ohne für den Inhalt verantwortlich zu sein. Beispiel: „Jemand wollte einmal von Erickson wissen, was Hypnose eigentlich sei. Und er sagte: Dies wirst Du nur in einer Trance herausfinden.“

b) Punktuelle Grenzüberschreitungen Dies sind Zuweisungen von Eigenschaften an jemanden oder etwas, der oder die diese Eigenschaften eigentlich nicht besitzen kann. In der Trance wird diese Metapher vom Unterbewußtsein verstanden (TDS- Prozeß). Beispiele: das mutige Samenkorn, der traurige Felsen, der fröhliche Apfel, der weise Berg, die lustige Zitrone etc.