Six Step

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[Six-Step; Six-Step-Reframe; Six Step Reframing; S.S.R.]

Der Six Step ist ein ursprünglich sechsschrittiges Verfahren zur Erzielung von Verhaltensänderungen unter Berücksichtigung des Teilemodells.
Der Six Step arbeitet mit der Annahme, dass es unbewusste Teile in uns gibt, die ein unerwünschtes Verhalten auslösen, diese Auslösung jedoch ihre Berechtigung und ihren Sinn hat und ihm eine positive Absicht zugrunde liegt. Das unerwünschte Verhalten verfolgt eine bestimmte, bisher nicht bewusste Funktion - diese kann jedoch auch von einem anderen, nicht als störend empfundenen Verhalten erfüllt werden. Anhand dieses Modells wird nun versucht, die Funktion des Verhaltens (Absicht) vom gezeigten Verhalten zu trennen und dann das Verhalten zu verändern, bei Würdigung der Absicht.

Dieses Verfahren des Reframings bestand ursprünglich aus sechs Schritten. Inzwischen wird es, je nach Quelle in 3 bis 9 Schritte unterteilt (und selbst beim sechsschrittigen Six-Step sind die Schritte nicht einheitlich festgelegt).

Der Six Step ist eine Art universeller Syptomauflöser, er kann fast überall eingesetzt werden (Beispiele: Fingernagelkauen, chronischer Geldmangel, Krankheiten, Phobien, Beziehungsprobleme).


Historisches

Der Six Step wurde von Bandler und Grinder in den 70er Jahren entwickelt. Six Step Refraiming wurde als eine "Ersatzstrategie" für eine hypnotische Induktion entwickelt. Hypnotische Induktionen waren in den 70er Jahren nur niedergelassenen Medizinern und Psychologen erlaubt. Bandler und Grinder wollten die Technik der hypnotischen Verhandlung von Persönlichkeitsteilen auch Anwendern ausserhalb dieser Berufsgruppen zur Verfügung stellen und entwickelten ein Kontextualraster und den hypnotischen Prozess, ohne jemals das Wort Trance oder Hypnose dabei zu verwenden. Am effektivsten wirkt Refraiming jedoch (immer noch) als hypnotische Interaktion.


Ablauf

Im folgenden wird der Teil, der für das Problem verantwortlich ist, mit "ES" bezeichnet.

1. Problem identifizieren

  • Was ist das Problem?
  • Was tut ES? Was macht ES, das du tun musst aber eigentlich nicht willst?
  • Wie heißt ES? (Der Name sollte positiv oder neutral sein und Freiheit ermöglichen, also nicht "Druck" sondern eher "Ausgleich" oder "Petra"!)

2. Kommunikation etablieren, Ja/Nein Signale klären

  • Freundliche Begrüßung des ES: "Hallo!"
  • "Bist du bereit im Hier und Jetzt mit mir im Bewusstsein zu kommunizieren?"
  • "Bist du derjenige Teil, der für mein Verhalten verantwortlich ist?"
  • Bedanken!
  • (Ist ES männlich oder weiblich oder eben ES? Wie sieht ES aus?)

3. Positive Absicht herausarbeiten

  • "Hast du eine positive Absicht?" (- "Bist du bereit sie mitzuteilen?"; "Wie ist sie?").
  • "Bist du bereit - für eine begrenzte Zeit - Neue Wege des Verhaltens zu versuchen, die deine positive Absicht mindestens genau so gut oder besser erfüllen?" (Kein Teil kann bei vollem Verstand dieses Angebot ablehnen!)
  • Bedanken!

4. Kreativen Teil einbinden, Neue Wege suchen

  • Kreativen Teil begrüßen.
  • Kreativen Teil bitten mit ES Kontakt aufzunehmen und ES mit vielen Ideen für Verhaltensalternativen zu seiner positiven Absicht zu versorgen.
  • ES bitten nach drei guten Angeboten (Neuen Wegen) Stopp zu sagen.
  • Vereinbarung mit ES, über die Dauer des Neue Wege ausprobierens, treffen. (Am Ende der Zeit werden ES und Bewusstsein zusammenkommen und über das weitere Vorgehen beraten.)
  • Bedanken!

5. Öko Check, Teilekonferenz

  • Gibt es andere Teile, die jetzt noch etwas sagen möchten - etwas, was den neuen Wegen entgegensteht?
  • Wenn andere Teile gehört werden wollen, Vereinbarung treffen, wann dies geschieht, ggf. sofort klären.
  • Wenn Teile mit den neuen Wegen gar nicht einverstanden sind -> zurück zu Schritt 4 und weitere Wege suchen.
  • Bedanken!

6. Vereinbarung, Integration, Future pace

  • Mit ES die Vereinbarung treffen, dass ES sich, im Rahmen der besprochenen Zeit, genauso selbständig, kraftvoll und zuverlässig für die Neuen Wege einsetzt, wie ES dies mit dem alten Verhalten getan hat.
  • Bedanken!
  • Future Pace.

Variationen

Eine andere Aufteilung der 6 Schritte sieht so aus:

  1. Kontakt mit Unterbewusstsein etablieren
  2. Ja / nein Signale herausfinden
  3. Verhalten und positive Absicht trennen
  4. Neue Wahlmöglichkeiten entdecken
  5. Öko Check
  6. Future Pace

Eine Variation dieser NLP-Technik kann bei Mitarbeiterbesprechungen zur Anwendung kommen:

  1. Thema und Rahmen festlegen
  2. Rapport herstellen, Bereitschaft zum Thema klären
  3. Positive Absicht bisheriger Ansätze
  4. Neue Wege (Lösungsmöglichkeiten) kreativ suchen (>3 Stück)
  5. Klären der Folgen der neuen Lösungsmöglichkeiten
  6. Verantwortung für Umsetzung festlegen (Wer, was,wie, bis wann?); Future pace

Systemische Elemente: Umgang mit destruktiven Teilen

Das ursprüngliche NLP beachtet als lösungsorientierte Individualpsychologie systemische Zusammenhänge (systemische Verstrickungen wie Fremdgefühle, übernommene Glaubenssätze etc.) nicht. Sind solche Phänomene vorhanden, werden jedoch nicht erkannt bzw. in einer Intervention nicht berücksichtigt, so ist das Scheitern i.d.R. vorprogrammiert. Daher ist es hilfreich, sich als NLPler auch mit den verschiedenen Konzepten der Systemischen Therapie (insbesondere Aufstellungsarbeit) auseinander zu setzen, um Strategien für den Umgang mit o.g. Symptomen zu haben.

Beispiel: Ein Klient möchte ein störendes Verhalten ändern. Der Berater entschließt sich zur Durchführung eines 6-Step-Reframing. Im ursprünglichen NLP wird im Rahmen der Teilearbeit u.a. gelehrt, dass ein jeder Teil (incl. seiner Glaubenssätze) innerhalb einer Person mit ein wenig liebevoller Zuwendung zur Kooperation bereit sein wird und selbstverständlich auch immer eine positive Absicht hat, welche dann utilisiert werden kann. Aber was tun, wenn der störende Teil eines Klienten trotz Würdigung nicht zur Kooperation bereit ist? Oder auf die Frage nach der Absicht so etwas sagt, wie: „Ich möchte, dass Du Sch….. frisst!“ (Ja, so etwas gibt es!). Ohne systemische Kenntnisse ist der Berater hier wahrscheinlich geneigt, den Klienten zu bitten, den Teil einfach noch ein wenig liebevoller zu würdigen. Oder nachzufragen, was denn wohl die positive Absicht hinter dem Sch… fressen sei.

Herkunft des Teils feststellen

Stattdessen kann es hier sinnvoll sein, von einem systemischen Phänomen auszugehen. Mann könnte den Klienten also fragen: „Wenn Du nochmal in Dich hineinspürst: Ist das überhaupt ein Teil von Dir?“ I.d.R. bekommt der Klient recht schnell ein Gefühl/Bild o.ä. dafür, wie die Antwort lautet, und bei einem Fall, wie oben geschildert, lautet sie i.d.R.: „Nein!“. Stattdessen wurde er von einer anderen Person übernommen. Nun geht es darum, zu identifizieren, von wem der Teil übernommen wurde. In den meisten Fällen handelt es sich um Personen aus dem engeren Familiensystem: Vater, Mutter, Großeltern, Geschwisterteile (Achtung: es kann sich auch um verstorbene Personen handeln, die der Klient niemals kennen gelernt hat…), aber es können vereinzelt auch andere Menschen auftauchen.

Herkunft des Teils verifizieren

Wenn Klient oder Berater nicht direkt eine Intuition haben, so ist es hilfreich, wenn der Klient die verschiedenen Alternativen probeweise laut ausspricht, also z.B.: „Du bist ein Teil von meinem Vater!“ oder „Du gehörst zu meiner Großmutter!“. Der Klient wird i.d.R. wiederum schnell ein Gefühl/Bild o.ä. entwickeln, welche Alternative stimmig ist. Der Berater sollte hier zusätzlich sehr genau die Physiologie beachten und evtl. zur Absicherung noch eine Gegenprobe machen.

Teil zurückgeben

Ist der Fremd-Teil dann eindeutig identifiziert, so kann der Klient diesen in einer Art Ritual an die Ursprungsperson zurückgeben. Hierzu kann er sich die entsprechende Person (möglichst bildlich) vorstellen, um dann laut und mit fester Stimme auszusprechen (als Beispiel hier Tochter an Vater): „Ich bin Deine Tochter und Du bist mein Vater. Und sollte ich aus Liebe* zu Dir bewusst oder unbewusst (Anmerkung 1 s.u.) zugestimmt haben, diesen Teil von Dir zu übernehmen, so nehme ich diese Entscheidung hiermit zurück – und ich entscheide neu. Der Teil verlässt nun meinen Körper, meinen Geist und mein Energiesystem! In allen Zeiten, Räumen und Dimensionen! (Anmerkung 2 s.u.) JETZT…“ Hierbei kann es hilfreich sein, wenn der Klient sich entsprechend des Geschehens ein Bild oder einen Film von der Rückgabe des Teils macht.

Öko-Check/Einwandbehandlung

Anschließend sollte – wie nach jeder Intervention – ein Öko-Check durchgeführt werden, um evtl. Einwände zu hören. Es kann z.B. passieren, dass der Klient merkt, dass die Ursprungsperson den Teil partout nicht zurücknehmen will. Oft hilft es dann, die Ursprungsperson nochmal deutlich auf das Leid aufmerksam zu machen, was sie dem Klienten durch die Übergabe des Teils zugefügt hat, um dann zu fragen, ob das wirklich ihre Absicht war.

Frei gewordenen Platz füllen

Anschließend sollte auf jeden Fall darauf geachtet werden, die beim Klienten entstandene Lücke zu füllen, indem ein neuer, positiver Teil installiert wird. Man kann dem Klienten hier auch suggerieren, dass dies unbewusst und von selbst („Und du kannst dich überraschen lassen, was schon bald an der Stelle entstehen kann, wo bis jetzt…“ etc.) geschieht.


Anmerkung 1:Die Übernahme von fremden Teilen/Gefühlen/Glaubenssätzen geschieht in vielen Fällen schön im frühesten Kindesalter und daher häufig aus der unbedingten kindlichen Liebe heraus, z.B. um unbewusst einen Elternteil zu entlasten. Es kann aber auch andere Gründe geben. Die esoterisch veranlagten Personen unter Euch können im Übrigen auch mal nachspüren, ob das Ganze schon vor der Geburt (also noch im Mutterleib) passiert ist, oder sogar vor der Empfängnis (sprich: aus einem anderen Leben stammt).

Anmerkung 2: Der Esoterik vollkommen Abgeneigte können diesen Satz natürlich auch weglassen, aber man sollte ihn besser mitsprechen. Man kann ja nie wissen...

Praxistipps

  • Als Gesprächsrahmen hat sich das Rahmenmodell bewährt
  • Zu Beginn kann es helfen, das Teilemodell und die Annahme der "positiven Absicht" zu erläutern.
  • Da es sich um ein Tranceformat handelt, kann es hilfreich sein einen Gegenwartsanker zu setzen, den man nach Ende des Formats aktiviert.
  • Da es sich um ein Tranceformat handelt, erinnert sich der Coachee evtl. nach dem Six Step nicht mehr an das, was er erlebt hat, eine Mitschrifft des Coaches, der wesentlichen Dinge, kann helfen: Mitschrift
  • Manchmal sind Menschen nicht bereit, diesem Teil ihres Selbsts, der sie so lange gequält hat, freundlich zu begegnen. In dem Fall ist Vorarbeit zu leisten (Ressourcen, Modell der positiven Absicht erläutern, ...).
  • Da viele Menschen mit ihren inneren Teilen nie zuvor Kontakt hatten, kann es sein, dass diese beim ersten Kontakt nicht sehr freundlich sind. Da hilft nur geduldige freundliche Zuwendung.
  • Es kann sein, dass ES nicht mit Worten sondern über innere Bilder, Geräusche oder Gefühle antwortet. Warte auf eindeutige Signale - nicht raten. Wenn etwas unklar ist, frage nach!
  • Wenn ES behauptet keine positive Absicht zu haben, ist es am Besten der Person, das Prinzip der positiven Absicht zu erklären. ES hört mit und ist danach i.d.R. bereit seine positive Absicht preiszugeben. Ansonsten: fragen, unter welchen Bedingungen ES bereit wäre, die positive Absicht mitzuteilen.
  • Wenn die positive Absicht zu einschränkend ist oder nicht positiv -> chunk up, was ist die Absicht hinter der Absicht?
  • Dies Format kann völlig inhaltsfrei durchgeführt werden, d.h. es müssen weder das Problem noch die inneren Dialoge offen gelegt werden. Es ist allerdings leichter das Format durchzuführen, wenn man nach jedem Satz die Person bittet, den innerlich gesagten Satz (und die Antwort) mitzuteilen. Auf die Weise lässt sich ein "Steckenbleiben" verhindern, wenn andere Sätze innerlich gesagt wurden, als es die Vorgabe war.
  • Insbesondere bei Krankheit oder anderen wichtigen Dingen, sollten die Neuen Wege offen gelegt und vom Bewusstsein beurteilt werden, um eine Symptomverschiebung zu vermeiden.
  • Es kann sein, dass ES innerhalb der "Probezeit" nicht bereit ist, das alte Verhalten zu aufzugeben -> das kann i.d.R. akzeptiert werden, Hauptsache es wird das neue Verhalten ausprobiert.
  • Getroffene Vereinbarungen mit inneren Teilen sollten auf jeden Fall eingehalten werden.
  • Das Bewusstsein sollte sich stets im Klaren sein, dass es der Chef aller Teile ist.


Literatur

Bandler, Richard/Grinder, John: Reframing: Neuro-Linguistic Programming and the Transformation of Meaning. Real People Press, Moab, Utah, 1982 (ISBN 0911226257)

Weblinks