Tetralemma: Unterschied zwischen den Versionen

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1. Etwas ist (so) / bezeichnet als das Eine
 
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2. Etwas ist nicht (so) / bezeichnet als das Andere
 
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3. Etwas ist sowohl (so) als auch nicht (so) / ... als Beides bezeichnet
 
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4. Etwas ist weder (so) noch nicht (so) / ... als Keines von Beidem bezeichnet
 
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5. die Nichtposition ( All dies nicht – und selbst das Nicht! - Position genannt )
 
5. die Nichtposition ( All dies nicht – und selbst das Nicht! - Position genannt )
  

Version vom 29. Januar 2012, 15:17 Uhr

Construction.png An diesem Artikel oder Abschnitt arbeitet gerade jemand. Um Bearbeitungskonflikte zu vermeiden, warte bitte mit Änderungen, bis diese Markierung entfernt ist oder kontaktiere den Bearbeiter: --Ingo 17:32, 28. Jan. 2012 (CET)

Tetralemma  ( Tetra - vier   /   lemma - Vorraussetzung, Annahme )

Das Tetralemma und die Tetralemma-Aufstellung wurden von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd entwickelt und verfeinert.


Das Tetralemma ist ein sehr starkes allgemeines Schema zur Überwindung jeder Barriere im schematischen Denken. Es handelt sich um eine Synthese von schematischem Denken und Querdenken auf höherer Ebene. Das Tetralemma ist eine Form der Argumentation und Interpretation von Sachzusammenhängen. Es passt auch gut dazu dass der Begriff „Information“ von lat. informare stammt, was eine Form geben bedeutet. Die Form des Tetralemmas hilft, wichtige Informationen zu erhalten und in den Prozess der Problemlösung einzubinden.



LÖSUNGEN MIT SYSTEM: METHODEN DER LÖSUNGSFOKUSSIERTEN SYSTEMISCHEN STRUKTURAUFSTELLUNGEN

TETRALEMMA-AUFSTELLUNG (TLA)


Die Tetralemma-Aufstellung...

• ist von willkürlicher Setzung unabhängig

• gibt eine Idee von allem was dazu gehört,

• und enthält eine vorgegebene Folge von Schritten.


Diese Aufstellungsart baut auf dem Tetralemma, einer Argumentationsform aus der indischen Logik auf und dient zur Kategorisierung von Haltungen und Standpunkten. Das Tetralemma oder catuṣkoṭi ist eine Argumentationsform, die zum Beispiel bei Gericht verwendet wurde. Es wird hierbei zwischen der Position des Klägers, des Angeklagten, der Position, dass beide recht haben, und der Position, dass keiner recht hat, unterschieden.


Die Positionen bzw. Standpunkte:


1. Etwas ist (so) / bezeichnet als das Eine

2. Etwas ist nicht (so) / bezeichnet als das Andere

3. Etwas ist sowohl (so) als auch nicht (so) / ... als Beides bezeichnet

4. Etwas ist weder (so) noch nicht (so) / ... als Keines von Beidem bezeichnet

5. die Nichtposition ( All dies nicht – und selbst das Nicht! - Position genannt )


Die ersten vier Positionen des Tetralemmas wurden um die 5. Position (die Negation des Tetralemmas - Die sogenannte vierfache Negation) erweitert.

Die Positionen 1 bis 4 werden als Orte dargestellt und die 5. Nicht-Position als freies Element.


In Problemlösungsprozessen prägt das Denken die daraus abgeleiteten Urteile oder Meinungen. Hier setzt das Tetralemma an und hilft, Beschränkungen  des eigenen Denkens zu überwinden.

Beispiele zu den Positionen:

1. Das Eine: Das kann zum Beispiel die Lösung sein, die für den Klienten seine   „einzig richtige“ darstellt und für ihn im Vordergrund steht.

2. Das Andere: Das Andere steht im direkten Gegensatz zur „richtigen Lösung“ (siehe 1.) Und damit ist das Dilemma perfekt! Es ist hilfreich wenn „das Andere“ eine echte Alternative zum „Einen“ ist. Eine einfache Negation des „Einen“ reicht nicht aus, da sie keine eigene Substanz einbringt.

3. Beides: Die dritte Position bringt ein neues Element ins Spiel und lässt sich als erste Metaposition zum alten Dilemma definieren. Von dieser außenstehenden Position kann man beide Positionen gleichzeitig betrachten und Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken. Damit sieht der Betrachter einen neuen „Frame“, so dass typische Reframings möglich werden. Das spricht auch Varga von Kibéd unmittelbar an: „dass die Handlungsweise, die Sie jetzt als Fehler ansehen, zu einer Fülle von wichtigen Einsichten, Lernprozessen und Erfahrungen durch Konfrontation mit den Schwierigkeiten, die aus dem Fehler entstanden, geführt hat…..“ Dies ist ein wichtiger Schritt zur Vereinbarkeit der Positionen.

4. Keins von Beiden: Während wir in der dritten Position eher ein teilnehmender Beobachter sind, der inhaltlich Gemeinsamkeiten und Sinn sucht, können wir in der vierten Position unseren alten Konflikt mit mehr Distanz von außen betrachten. Das ist also eine dissoziierte Metaposition. „Wir sind nicht mehr verwickelt. Wir betrachten diese Position daher auch als externe Kontexterweiterung.“ Es geht nicht mehr nur um Vereinbarkeit, sondern um den Kontext, in dem das Dilemma, der Gegensatz von Richtig und Falsch, entstanden ist. Das gibt dem Ganzen eine neue Dimension und unter Umständen einen neuen Sinn. Mit Dilts` Variante des Meta Mirrors können wir erkennen, wo in der dritten Position noch Interaktions- oder Interpretationsmuster aus dem alten Dilemma übernommen werden und auch diese auflösen.

5. Die Fünfte: ...Position erreichen wir über die Negation des Tetralemmas. Varga von Kibéd dazu: „Diese Position nennen wir All dies nicht – und selbst das Nicht! Da sie den Aufforderungscharakter hat, Muster immer wieder zu unterbrechen, schreiben wir sie mit „!“, und da sie sich auch selbst in diese paradoxe Aufforderung mit einbezieht, lassen wir eine deutliche Sprechpause bei „-“ eintreten…Das Wort „dies“…bezieht sich auf die ersten vier Positionen und auf die Einsicht, dass keine dieser Positionen einen alle Aspekte des Problems unfassenden Standpunkt darstellte. Mit "und selbst das nich"t erinnert uns die fünfte Position daran, dass auch sie kein endgültiger Standpunkt ist. Sie hebt daher sich selbst auf (und wurde von den Buddhisten als ein Nichtstandpunkt bezeichnet).“


Untertypen zu Position 3:

Varga v. Kibed beschreibt insgesamt 13 Untertypen von „Beides“... Hier zitiere ich die zentralen Typen davon:

Kompromiss: Von beiden ist ein bisschen richtig („räumliche“ Aufteilung)

Iteration: Manchmal ist das eine richtig, ein andermal das andere ( sequentielle Lösung)

Scheingegensätze (sh.oben: Die Alternative ist gar keine)

Paradoxe Verbindung: z.B.: „Ständiges Prüfen auf Richtigkeit ist ein Fehler“

Ressourcentransfer: Das ist im NLP ein wichtiger Bestandteil der Konfliktintegration. Varga von Kibéd nennt es „die Kraft des Nichtgewählten in das Gewählte einfließen lassen“

Übersummative Verbindung: Dieser „Klassiker“ des systemischen Denkens entspricht den „synergetischen Effekten“ in der Gruppendynamik. Eine solche Verbindung entspricht einer Synthese, die zu einem Konsens zwischen beiden Polen führen kann.

Auch wenn in der Praxis nicht immer alle Untertypen gebraucht werden – sie überschneiden sich ohnehin teilweise - zeigen sie verschiedene Arten der Vereinbarkeit, die sich auf der dritten Position bieten. Wenn man das Dilemma erst einmal verlässt, dann tun sich viele Möglichkeiten auf!


Literatur und DVD's

Insa Sparrer / Matthias Varga von Kibéd, Ganz im Gegenteil, Tetralemmaarbeit und andere Grundformen Systemischer Strukturaufstellungen – für Querdenker und solche, die es werden wollen,

Verlag: Carl-Auer-Systeme Verlag; Auflage: 7. Unveränd. (2011) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3896706861 ISBN-13: 978-3896706867

Tetralemma, Konstruktivismus und Strukturaufstellungen: Wieslocher Dialog - Fritz B. Simon - Matthias Varga von Kibed [5 DVDs] Matthias Varga von Kibéd , Fritz B. Simon