Tetralemma

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Tetralemma  ( Tetra - vier   /   lemma - Vorraussetzung, Annahme )

Das Tetralemma und die Tetralemma-Aufstellung wurden von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd entwickelt und verfeinert.


Das Tetralemma ist eine Aufstellungsmethode, die gut dazu geeignet ist, sich auch körperlich in eine Situation nach der Entscheidung zu versetzen, indem eine Visualisierung durchgeführt wird. Sie macht insbesondere dann Sinn, wenn Sie sich nicht zwischen zwei extremen Positionen entscheiden können oder wollen.


Das Tetralemma ist ein sehr starkes allgemeines Schema zur Überwindung jeder Barriere im schematischen Denken. Es handelt sich um eine Synthese von schematischem Denken und Querdenken auf höherer Ebene. Das Tetralemma ist eine Form der Argumentation und Interpretation von Sachzusammenhängen. Es passt auch gut dazu dass der Begriff „Information“ von lat. informare stammt, was eine Form geben bedeutet. Die Form des Tetralemmas hilft, wichtige Informationen zu erhalten und in den Prozess der Problemlösung einzubinden.



LÖSUNGEN MIT SYSTEM: METHODEN DER LÖSUNGSFOKUSSIERTEN SYSTEMISCHEN STRUKTURAUFSTELLUNGEN

TETRALEMMA-AUFSTELLUNG (TLA)


Die Tetralemma-Aufstellung enthält eine vorgegebene Folge von Schritten und gibt eine Idee von allem was dazugehört.


Diese Aufstellungsart baut auf dem Tetralemma, einer Argumentationsform aus der indischen Logik auf und dient zur Kategorisierung von Haltungen und Standpunkten. Das Tetralemma oder catuṣkoṭi ist eine Argumentationsform, die zum Beispiel bei Gericht verwendet wurde. Es wird hierbei zwischen der Position des Klägers, des Angeklagten, der Position, dass beide recht haben, und der Position, dass keiner recht hat, unterschieden.


Die Positionen bzw. Standpunkte:


1. Etwas ist (so) / bezeichnet als das Eine

   beispielsweise eine Lösung die ein Klient als einzig richtige sieht und die für Ihn im Vordergrund steht.

2. Etwas ist nicht (so) / bezeichnet als das Andere

   Das Andere steht im direkten Gegensatz zur „richtigen Lösung“ (siehe 1.) Und damit ist das Dilemma perfekt! 
   Es ist hilfreich wenn „das Andere“ eine echte Alternative zum „Einen“ ist. 
   Eine einfache Negation des „Einen“ reicht nicht aus,  da sie keine eigene Substanz einbringt.

3. Etwas ist sowohl (so) als auch nicht (so) / ... als Beides bezeichnet

   Die ersten beiden Positionen werden betrachtet um den Bezugs- und Bewertungsrahmen zu erweitern 
   und ob  man sich überhaup zwischen 1. und 2. entscheiden muss. Die dritte Position bringt ein neues Element ins Spiel 
   und lässt sich als erste Metaposition zum alten Dilemma definieren. Von dieser außenstehenden Position kann man beide 
   Positionen gleichzeitig betrachten und Gemeinsamkeiten und Unterschiede entdecken. 
   Damit sieht der Betrachter einen neuen „Frame“, so dass typische Reframings möglich werden. 
   Dies ist ein wichtiger Schritt zur Vereinbarkeit der Positionen

4. Etwas ist weder (so) noch nicht (so) / ... als Keines von Beidem bezeichnet

   Hier geht es um Kontext und Bedeutung ohne in den Konflikt verwickelt zu sein. Die Sache wird sehr distanziert von 
   außen betrachtet. Es ist also eine dissoziierte Metaposition. „Wir sind nicht mehr verwickelt. 
   Wir betrachten diese Position daher auch als externe Kontexterweiterung. 
   Das gibt dem Ganzen eine neue Dimension und unter Umständen einen neuen Sinn. 
   Mit Robert Dilts` Variante des Meta Mirrors können wir erkennen, wo in der dritten Position noch Interaktions- 
   oder Interpretationsmuster aus dem alten Dilemma übernommen werden und auch diese auflösen.
   Typische Fragen hierzu sind: 
   Welche Werte, Bedürfnisse und Motive stehen hinter Standpunkt 1, 2 und Beidem? 
   Welche persönlichen Ziele gibt es? Welche Ressourcen? In welchem Kontext fand die Entscheidungsfrage statt?


5. die Nichtposition ( All dies nicht – und selbst das Nicht! - Position genannt )

   Diese Position hat philosophischen Aufforderungscharakter und dient dazu vorherige Muster zu durchbrechen. 
   Hier wird alles in Frage gestellt und gleichzeitig unterstützt. An dieser Position angelangt, besteht die Gewissheit 
   dass nicht gewiss ist und mit dieser Erkenntnis kann etwas Neues kreiert werden. 
   Die Fünfte Position erreichen wir über die Negation des Tetralemmas. Varga von Kibéd dazu:
   „Diese Position nennen wir All dies nicht – und selbst das Nicht! Da sie den Aufforderungscharakter hat, 
   Muster immer wieder zu unterbrechen, schreiben wir sie mit „!“, und da sie sich auch selbst in diese paradoxe Aufforderung 
   mit einbezieht, lassen wir eine deutliche Sprechpause bei „-“ eintreten…Das Wort „dies“…bezieht sich auf die ersten 
   vier Positionen und auf die Einsicht, dass keine dieser Positionen einen alle Aspekte des Problems unfassenden Standpunkt
   darstellte. Mit "und selbst das nicht" erinnert uns die fünfte Position daran,dass auch sie kein endgültiger 
   Standpunkt ist und sich daher selbst aufhebt. ( von den Buddhisten als ein Nichtstandpunkt bezeichnet)"
  
   Es istwahrscheinlich dass ab hier alles anders ist und es auch  um twas anderes geht. Typische Fragen hierzu: 
   Gibt es unangesprochene Hindernisse? 
   Um was geht es wirklich?
   


Die ersten vier Positionen des Tetralemmas welche als Orte dargestellt werden, wurden um die fünfte Position erweitert. ( Die sogenannte vierfache Negation) Diese fünfte Nicht-Position wird als freies Element dargestellt.


In Problemlösungsprozessen prägt das Denken die daraus abgeleiteten Urteile oder Meinungen. Hier setzt das Tetralemma an und hilft, Beschränkungen  des eigenen Denkens zu überwinden.


Untertypen zu Position 3:

Varga v. Kibed beschreibt insgesamt 13 Untertypen von „Beides“... Hier zitiere ich die zentralen Typen davon:

Kompromiss: Von beiden ist ein bisschen richtig („räumliche“ Aufteilung)

Iteration: Manchmal ist das eine richtig, ein andermal das andere ( sequentielle Lösung)

Scheingegensätze (sh.oben: Die Alternative ist gar keine)

Paradoxe Verbindung: z.B.: „Ständiges Prüfen auf Richtigkeit ist ein Fehler“

Ressourcentransfer: Das ist im NLP ein wichtiger Bestandteil der Konfliktintegration. Varga von Kibéd nennt es „die Kraft des Nichtgewählten in das Gewählte einfließen lassen“

Übersummative Verbindung: Dieser „Klassiker“ des systemischen Denkens entspricht den „synergetischen Effekten“ in der Gruppendynamik. Eine solche Verbindung entspricht einer Synthese, die zu einem Konsens zwischen beiden Polen führen kann.

Auch wenn in der Praxis nicht immer alle Untertypen gebraucht werden – sie überschneiden sich ohnehin teilweise - zeigen sie verschiedene Arten der Vereinbarkeit, die sich auf der dritten Position bieten. Wenn man das Dilemma erst einmal verlässt, dann tun sich viele Möglichkeiten auf!


Literatur und DVD's

Insa Sparrer / Matthias Varga von Kibéd, Ganz im Gegenteil, Tetralemmaarbeit und andere Grundformen Systemischer Strukturaufstellungen – für Querdenker und solche, die es werden wollen,

Verlag: Carl-Auer-Systeme Verlag; Auflage: 7. Unveränd. (2011) Sprache: Deutsch ISBN-10: 3896706861 ISBN-13: 978-3896706867

Tetralemma, Konstruktivismus und Strukturaufstellungen: Wieslocher Dialog - Fritz B. Simon - Matthias Varga von Kibed [5 DVDs] Matthias Varga von Kibéd , Fritz B. Simon

Quellen:

Erweiterte Mitschrift der Ausführungen von Insa Sparrer und Matthias Varga von Kibéd in Seminaren des SySt-Instituts 2001-2010. Enthält auch Texte, die auf www.syst.info, in Büchern und Zeitschriftenaufsätzen der Autoren (siehe Literaturverzeichnis) veröffentlicht wurden. Zusammenstellung und Redaktion: Günter W.