Wirklichkeit

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[Realität]

Wirklichkeit ist das, was objektiv existiert. Wir können nur unsere eigene Wirklichkeit wahrnehmen. Wirklichkeit außerhalb von uns nehmen wir nur als Abbild bzw. Konstruktion wahr.

Wirklichkeitskonstruktionen, die wir mit anderen teilen, bezeichnet man als Konsenswirklichkeit.


Weblinks

Die Wikipedia zu Realität und Wirklichkeit


Zitate

"Die meisten Leute haben eigentlich nicht Erfahrung mit Realität, sondern mit gemeinsamer Realität. Leute kommen an meine Tür, geben mir religiöse Comic-Hefte und erzählen mir, daß der Weltuntergang in zwei Wochen bevorsteht. Sie sprechen mit Engeln und mit Gott, aber sie werden nicht für verrückt gehalten. Wenn aber ein einzelner Mensch dabei ertappt wird, mit Engeln zu reden, wird er für verrückt erklärt, in eine Nervenklinik gebracht und mit Tabletten vollgestopft. Wenn Sie eine neue Realität erfinden, sorgen Sie dafür, daß sie diese mit einigen Freunden teilen können, sonst geraten Sie in größte Schwierigkeiten. Das ist ein Grund, warum ich NLP lehre. Ich möchte wenigstens ein paar Leute haben, die diese Realität mit mir teilen, damit mich die Männer in den weißen Kitteln nicht holen.
Auch Physiker haben eine gemeinsame Realität. Ansonsten gibt es wirklich keinen großen Unterschied zwischen Physikern und Schizophrenen. Auch Physiker sprechen über Dinge, die man nicht sehen kann. Wieviele von Ihnen haben schon ein Atom gesehen, geschweige denn einen subatomaren Partikel? Es gibt einen Unterschied: Physiker sind mit ihren Halluzinationen gewöhnlich etwas zurückhaltender; sie nennen sie "Modelle" oder "Theorien". Wenn eine ihrer Halluzinationen durch neue Erkenntnisse angegriffen wird, sind sie meistens ein bißchen eher bereit, ihre alten Vorstellungen aufzugeben."
Richard Bandler; Veränderung des subjektiven Erlebens


"Ungefähr zu der Zeit beteiligte ich mich an der Herausgabe eines Buches über Gestalttherapie und wurde deshalb in eine Gestalttherapiegruppe geschickt, um zu erfahren, worum es dabei überhaupt ging. ... Als erstes sah ich, dass da jemand saß und mit einem leeren Stuhl redete. Ich dachte: "Oh, ich habe recht gehabt! Die sind verrückt!" Und dann war da dieser andere Verrückte, der dem ersten sagte, was er mit dem Stuhl reden sollte! Das beunruhigte mich, denn alle anderen im Raum schauten auf den leeren Stuhl, als ob dieser antworten würde! Der Therapeut fragte: "Was sagt er?" Also schaute ich auch auf den Stuhl. Später erfuhr ich, daß es sich bei der Gruppe um lauter Psychotherapeuten handelte, daher war das alles ganz in Ordnung. Dann sagte der Therapeut: "Ist dir bewußt, was deine rechte Hand macht?" Als der Mann "Nein" sagte, konnte ich mich innerlich nicht mehr halten vor Lachen. "Ist es dir jetzt bewußt?" "Ja." "Was tut sie? Übertreibe die Bewegung." Komisch, nicht? Dann sagte der Therapeut: "Sag es in Worten." "Ich will töten! Töten!!" Es stellte sich heraus, daß dieser Mann Neurochirurg war! Dann sagte der Therapeut: "Ich möchte, daß du jetzt den Stuhl anschaust und mir sagst, wen du siehst." Ich schaute hin, und da saß immer noch niemand! Aber der Kerl schaute hinüber und knurrte: "Mein Bruder!"
"Sag ihm, daß du wütend bist!"
"Ich bin wütend!"
"Sag es lauter!"
"Ich bin wütend!"
" Weshalb?"
Und dann fängt er an, dem leeren Stuhl alles zu sagen, worüber er wütend ist, und dann greift er ihn an. Er schlägt den Stuhl in Stücke, entschuldigt sich dann, klärt die Angelegenheit mit dem Stuhl, und dann fühlt er sich besser. Dann sagt ihm jeder aus der Gruppe ein paar freundliche Worte und umarmt ihn.
Da ich den Umgang mit Wissenschaftlern und Mördern gewohnt war, konnte ich fast überall so tun, als sei alles völlig normal, aber hier hatte ich Schwierigkeiten damit. Hinterher fragte ich die anderen: "War sein Bruder wirklich dort?"
Einige sagten: "Natürlich war er dort." "Wo hast du ihn gesehen?"
"Vor meinem geistigen Auge."
Man kann fast alles tun. Wenn man so tut, als ob alles normal sei, werden die anderen Leute auch so tun. Überlegen Sie sich das mal. Sie können sagen: "Dies ist Gruppenpsychotherapie", Stühle in einem Kreis aufstellen und sagen: "Das ist der 'heiße Stuhl' ". Wenn Sie dann sagen: "Wer will arbeiten?", werden alle nervös, während sie warten. Schließlich sagt einer, der dadurch motiviert wird, daß der Streß bis zu einem bestimmten Punkt zunimmt und er es dann nicht mehr aus hält: "Ich will arbeiten." Dann sagen Sie: "Dein Stuhl ist dafür nicht gut genug; setz' dich in diesen Spezialstuhl." Dann stellen Sie ihm gegenüber einen leeren Stuhl auf. ..."
Richard Bandler; Veränderung des subjektiven Erlebens


"Hattest du schon mal einen Traum, Neo, der dir vollkommen real schien? Was wäre, wenn du aus diesem Traum nicht mehr aufwachst? Woher würdest du wissen, was Traum ist und was Realität?" - Morpheus, Matrix


Geschichten

Der Magier

Es war einmal ein junger Prinz, der glaubte an alles, mit Ausnahme von drei Dingen. Er glaubte nicht an Prinzessinnen, er glaubte nicht an Inseln, er glaubte nicht an Gott. Sein Vater, der König, sagte ihm, daß es solche Dinge nicht gäbe. Da es im Reich seines Vaters weder Prinzessinnen noch Inseln und auch keine Spur von Gott gab, glaubte der Prinz seinem Vater. Aber eines Tages lief der Prinz vom Palast fort und kam in das Nachbarland. Zu seinem Erstaunen sah er vor jeder Küste Inseln und auf diesen Inseln fremde, beunruhigende Wesen, die er nicht zu benennen wagte. Als er nach einem Schiff Ausschau hielt, kam ihm am Strand ein Mann in voller Abendgala entgegen.

"Sind das echte Inseln?" fragte der junge Prinz.

"Natürlich sind das echte Inseln", sagte der Herr in Abendgala.

"Und jene fremden und beunruhigenden Wesen?"

"Das sind echte und leibhaftige Prinzessinnen."

"Dann muß es auch Gott geben!", rief der Prinz.

"Ich bin Gott", antwortete der Herr in Abendgala mit einer Verbeugung.

Der junge Prinz kehrte, so schnell er konnte, wieder nach Hause zurück. "Du bis also zurückgekehrt", sagte sein Vater, der König. "Ich habe Inseln gesehen, ich habe Prinzessinnen gesehen, ich habe Gott gesehen", sagte der Prinz vorwurfsvoll. Der König war ungerührt.

"Weder gibt es wirkliche Inseln noch wirkliche Prinzessinnen noch einen wirklichen Gott".

"Ich habe sie gesehen!"

"Sag mir wie Gott gekleidet war."

"Gott trug volle Abendgala."

"Waren die Ärmel seines Fracks hochgeschlagen?"

Der Prinz entsann sich, daß sie es gewesen waren. Der König lächelte.

"Das ist die Kleidung eines Magiers. Du bist getäuscht worden."

Darauf kehrte der Prinz ins Nachbarland zurück und ging an den selben Strand, wo er abermals auf Herrn in Abendgala traf.

"Mein Vater, der König, hat mir gesagt, wer Sie sind", sagte der Prinz empört. "Sie haben mich letztes Mal getäuscht, diesmal aber nicht. Jetzt weiß ich, daß das keine echten Inseln und echten Prinzessinnen sind, denn Sie sind ein Magier."

Der Herr am Strand lächelte. "Du hast Dich getäuscht, mein Junge. In deines Vaters Reich gibt es viele Inseln und viele Prinzessinnen. Du bist aber unter deines Vaters Bann, so daß du sie nicht sehen kannst."

Nachdenklich kehrte der Prinz heim. Als er seinem Vater begegnete, sah er seinem Vater ins Gesicht.

"Vater stimmt es, daß du kein echter König bist, sondern nur ein Magier?"

Der König lächelte und schlug seine Ärmel zurück. "Ja, mein Sohn, ich bin nur ein Magier."

"Dann war der Herr am anderen Strand Gott."

"Der Herr am anderen Strand war ein anderer Magier."

"Ich muß die Wahrheit wissen, die Wahrheit jenseits der Magie."

"Es gibt keine Wahrheit jenseits der Magie."

Der Prinz war von Trauer erfüllt. Er sagte: "Ich werde mich umbringen." Durch einen Zauber ließ der König den Tod erscheinen. Der Tod stand in der Tür und winkte dem Prinzen. Der Prinz erschauerte. Er erinnerte sich der schönen aber unwirklichen Inseln und der unwirklichen aber schönen Prinzessinnen.

"Also gut", sagte er, "ich kann es ertragen."

"Du siehst mein Sohn", sagte der König, "auch du beginnst, ein Magier zu sein."

John Fowles, The Magus zit. nach Bandler, Die Struktur der Magie I