Darüber hinaus hängt Modelllernen nach Bandura auch mit der wahrgenommenen Selbstwirksamkeit zusammen, also der subjektiven Überzeugung einer Person, ob sie ein bestimmtes Verhalten erfolgreich ausführen kann [3].
== Selbstwirksamkeitserwartung ==
In der Selbstwirksamkeitserwartung (SWE) geht's um die persönliche Einschätzung der eigenen Kompetenzen im täglichen Leben und wie man damit zurechtkommt. Aus der Überzeugung der eigenen Fähigkeiten resultiert das Fühlen, Denken, Motivieren und Handeln in bestimmten Situationen. Es beeinflusst daher die Wahrnehmung und Leistung auf unterschiedlichster Art und Weise [4, 5].
Die individuelle Selbstwirksamkeitserwartung stellt im Alltag eine wichtige Ressource dar. Bei schwierigen Situationen wägen Menschen ihre Anforderung mit ihren eigenen Kompetenzen ab. Erst nach diesem Prozess entscheidet sich, welche Handlung ausgeführt wird. Um die Überzeugung zu haben bei neuen bzw. schwierigen Aufgaben erfolgreich zu sein, muss man diese erst mit der Handlungsergebnis-Erwartung (die Wahrnehmung einer Handlung und ihre Konsequenzen) abgrenzen[3, 5]. Beide Erwartungen lassen sich gut in Wenn-Dann Sätze unterscheiden. Handlungsergebnis-Erwartung: „Wenn ich zu meinen Schwiegereltern fahre, wird sich unsere Beziehung verbessern“. Selbstwirksamkeitserwartung: „Ich bin mir sicher, wenn ich zu meinen Schwiegereltern fahre, werden wir uns prächtig verstehen'“.
Das Erkennen der eigenen Fähigkeiten beeinflusst das Handeln, wobei sie mehr oder weniger mit der Wirklichkeit übereinstimmen können. Bandura definiert, dass die wahrgenommene Selbstwirksamkeit auf die Fähigkeit überzeugt, die man gerade braucht um ein bestimmtes Ziel zu erreichen oder eine Handlung durchzuführen [4].
Bandura nennt vier Quellen der Selbstwirksamkeitserwartung:
- Physiologische Zustände:
Beurteilungen von Situation hängen auch immer vom körperlichen Empfinden ab. Je nach positiver oder negativer Beurteilung der Begleiterscheinung z.B. Herzklopfen kann es Selbstwirksamkeit auslösen oder darauf hinweisen dass eine schwierige Anforderungssituation ansteht.
- Soziale Überzeugung:
Durch Zuspruch von anderen bekommt man mehr Vertrauen in seine Fähigkeiten, diese müssen aber irgendwann mit der Realität übereinstimmen, damit Selbstwirksamkeit entstehen kann, um Erfolg zu haben.
- Modelllernen:
Durch Beobachten von Personen, die auch durch Anstrengungen schwierige Aufgaben bewältigen, kann auch Selbstwirksamkeit entstehen. Nur wenn man der Zielperson ähnliche Kompetenzen zuschreibt wie sich selbst, löst es das Gefühl aus, das Gleiche erreichen zu können.
- Eigene Erfahrung:
Den wichtigsten Einfluss auf die Weiterentwicklung der Selbstwirksamkeit hat die eigene Erfahrung. Das Erlebnis, ein Ziel durch eigene Anstrengungen erreicht zu haben, bewirkt dass man sich für zukünftige Aufgaben gewappnet fühlt, diese auch bewältigen zu können.
Die Selbstwirksamkeit genießt heute in der Menschheit einen hohen Stellenwert, da man selbst auf sich Einfluss nehmen kann, wie man bestimmte Situationen für sich selber am besten bewältigt und etwas in Bewegung bringt. Es heißt ja nicht umsonst „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“.